15.03.2017  | Netzcode: 5211599

Einbrecher nerven

Baumesse zeigte Trends zu Sicherheit und Smart-Home

Hier gibt jeder Einbrecher auf:
Hier gibt jeder Einbrecher auf: Einbruchshemmendes Fenster. Bild: Harald Mohr
AMBERG. Daheim in der Oberpfalz klingelt jemand an einer Haustür - doch die Bewohner sind weit weg im Urlaub. Kein Problem mehr. Per App können sie über die Türsprechanlage mit dem Besucher sprechen und ihn sogar sehen. Nur ein Beispiel für "Smart-Home", einen der Trends, die man bei der "Oberpfälzer Baumesse" am Wochenende beobachten konnte.

Benjamin Färber bietet so etwas an. Die Klingelanlage kann auch alle Besucher fotografieren und so dokumentieren, wer alles geklingelt hat. Man kann das ganze Haus mit Kameras versehen und so von jedem Punkt der Erde aus jederzeit alle Räume überblicken. Natürlich kann man auch eine Alarmanlage damit verbinden, die einen benachrichtigt. Dann kann man vom Urlaub aus die Polizei rufen. Auch kann man ferngesteuert die Rollläden auf- und zumachen oder die Außenbeleuchtung an- und ausschalten, um einem Einbrecher vorzutäuschen, es wäre jemand zu Hause. „Das Mittel Nummer eins, um Einbrecher abzuhalten“, ist Benjamin Färber überzeugt. Sogar die eigene Wetterstation kann die Rollläden herunterlassen, wenn Sturm droht.
Das Haus ist immer in der Hosentasche: Smart-Home
Das Haus ist immer in der Hosentasche: Smart-Home ist der Trend.


Eine andere Entwicklung hängt damit zusammen. Die Besitzer renovierter oder neu gebauter Immobilien achten mehr auf ihr Eigentum – und sichern es mit entsprechender Technik. „Erst die mechanische Sicherung, dann die elektronische“, ist die Devise von Karl Standecker, der unter anderem einbruchshemmende Fenster anbietet. Denn es komme darauf an, den Einbrecher erst gar nicht ins Haus zu lassen.

Die Schäden, die dieser verursache, seien oft gar nicht mal so groß. „Es geht um 20 oder 50 Euro, um einen Laptop, ein Handy oder Schmuck.“ Dafür sei die psychologische Wirkung um so heftiger. Zehn Prozent der Geschädigten zögen aus, weil sie es nicht mehr in dem Haus aushalten.
Auch Lüftungssysteme und alles, was mit Heizen zu
Auch Lüftungssysteme und alles, was mit Heizen zu tun hat, sind nach wie vor gefragt.


Die Aufklärung, so wie auf der Baumesse, wo auch die Kriminalpolizei sich des Themas annahm, zeigt inzwischen Früchte. Sinn einer Einbruchshemmung sei es, den Einbrecher so lange zu beschäftigen, bis er entnervt aufgibt. Länger als wenige Minuten, so hat man festgestellt, bleibt kein Einbrecher. Und es wirkt: „Die Zahl der abgebrochenen Einbrüche ist extrem gestiegen.“ Von Versuchen, mit Billigprodukten selbst eine Einbruchshemmung an Türen und Fenstern einzubauen, rät Karl Standecker ab. Diese sähen zwar oft recht massiv aus, ließen sich aber mit wenigen Handgriffen knacken.
Der Appetit kommt beim Essen: In Schauküchen
Der Appetit kommt beim Essen: In Schauküchen wurde tatsächlich gekocht.


Die meisten Einbrecher, so erfuhr man, haben zwar nicht mehr als einen Schraubenzieher und einen Hammer dabei, knacken damit aber jede einfache Sicherung. Wie es anders geht, zeigte Karl Standecker mit einem Versuch. Ein Besucher sollte ein modernes Fenster einer hohen Sicherheitsklasse mit Gewalt öffnen. Mit Schraubenzieher und Keilen scheiterte er, erst rohe Gewalteinwirkung direkt aufs Glas zeigte eine Wirkung.

Weil bei diesem Fenster aber vier dünne Glasschichten miteinander verklebt werden, nutzt der stumpfe Hammer gar nichts. Erst wenn man mit dem Hammer auf den Schraubenzieher haut, bekommt man allmählich einzelne Löcher in das Glas. „Ein Einbrecher braucht mindestens 15 Minuten, um eine ausreichend große Öffnung in das Fenster zu hauen.“
Erst gegen Ende der Messe wurde es ruhiger.
Erst gegen Ende der Messe wurde es ruhiger.


Viel zu lange. Kein Einbrecher wird mit großem Lärm so lange an einem Fenster arbeiten. (moh)


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