17.03.2017  | Netzcode: 5214517
Waldsassen

OWZ am Wochenende: Barock kehrt zurück

Sanierung der Stiftsbasilika fast abgeschlossen - Altarweihe am 26. März

Die Emporen des Oratoriums sind mit prächtigen
Die Emporen des Oratoriums sind mit prächtigen Überwürfen dekoriert worden. Die Farben sind perfekt abgestimmt auf den Innenraum in Rottönen.
Der Radio läuft, das Geräusch des Schleifpapiers erfüllt die Kirche. Prächtige Figuren liegen auf Werkbänken wie auf Operationstischen, daneben Pinsel und Farbe. Mesner Michael Burger schwingt den Mopp und wischt den Boden im Altarraum. Das Allerheiligste ist ausgelagert, die Stimmung ist weltlicher als sonst. In der Stiftsbasilika herrscht seit Pfingsten 2013 Ausnahmezustand: Baustelle.

Risse im Gewölbe und lose Stuckteile machten eine Sanierung notwendig, die insgesamt 6,5 Millionen Euro kostet. Die begann mit der statischen Sicherung. Der zweite Schritt war die Neufassung der Raumschale. „Hier sind wir auf das Farbkonzept der Erbauungszeit zurückgegangen“, sagt Pfarrer Thomas Vogl. Die Kirche wurde von 1689 bis 1704 gebaut. Die Basilika ist im Stil des Hochbarocks mit böhmischer und italienischer Prägung gehalten.
Stadtpfarrer Thomas Vogl ist begeistert vom neuen
Stadtpfarrer Thomas Vogl ist begeistert vom neuen Erscheinungsbild der Kirche. Bild: tsa


Restauratoren machten eine aufwendige Befunduntersuchung, die eindeutige Belege über die Farbe ergab. „Irgendwann hat man die Farbe sehr intensiviert. Durch Dreck und Staub verschmutzte sie und wurde zu dunkel. Dann entschied man sich für eine Weißfassung“, sagt Vogl. Heute ist das Konzept dem ursprünglichen wieder ähnlicher. Blasse Rottöne prägen den Raum. Die Figuren sind in kräftigerem Rot gehalten, die Bögen mit den Ornamenten sind grau, „eine Art Schatten, damit sich die Ornamente abheben“.

Das Oratorium, der Orgelraum, ist mit Fenstern verkleidet. Über den Emporen hängen kunstvolle Überwürfe in Türkis und Orange, passend zu den goldenen und marmorierten Fenster-Einrahmungen. Die Figuren haben eine Inkarnatfassung bekommen, einen hautfarbenen Farbton. „Das macht jetzt einen ganz neuen Eindruck. So hat man das vorher nicht wahrgenommen“, sagt der Pfarrer.
Restauratoren überprüfen die kostbaren Figuren
Restauratoren überprüfen die kostbaren Figuren auf Risse und Schäden, die sie dann in mühsamer Konzentrationsarbeit reparieren.


Der Chorraum ist seit Oktober 2014 fertig, die Arbeiten im Langhaus dauern bis Ende März an. Der Altarraum ist gestaltet vom Bärnauer Herbert Lanke. Altar und Ambo haben eine schlichte, einfache Form und sind aus Kelheimer Auerkalk, der ebenfalls leicht rötlich ist. „Die Farbe passt perfekt zum Rest der Kirche.“ Momentan ist der Altar noch „nur ein Stein“. „Erst durch den Akt der Altarweihe wird das hier ein sakraler Ort und der Mittelpunkt der Kirche“, sagt Vogl. Bei dem symbolträchtigen Ritus wird unter anderem die Altarplatte mit Chrisamöl eingerieben und Weihrauch darauf abgebrannt. Zu dem Festakt am 26. März erwartet Vogl neben der Pfarrgemeinde auch Ministerin Emilia Müller, Baufirmen und Ehrengäste.
Mesner Michael Burger packt mit an, wo es nötig
Mesner Michael Burger packt mit an, wo es nötig ist. Er schwingt auch mal den Wischmopp und putzt im Altarraum.


Seit Beginn des Jahres läuft der Gerüstabbau. Die Kirchenbänke sind mittlerweile alle wieder an ihrem Platz. „Ein Teil davon war im Lager. Die Arbeiter brauchten die Fläche für Geräte. Hier stand auch ein Aufzug.“ Die zurückgekehrten Bänke sind bereits gereinigt und in Folie verpackt. „Damit sie nicht wieder verschmutzt werden. Hier wird ja noch viel gearbeitet“, sagt der Pfarrer.

Kirchenmaler, Fresken- und Stuck-Restauratoren, Maler für Ölgemälde und Holzarbeit-Spezialisten werkeln in der Kirche. Sie bessern Schäden aus, reparieren Risse, wenn Fassungen aufgeplatzt sind. Jede einzelne Figur in der Basilika wurde dabei überprüft. „Man muss natürlich vorher überlegen: Wie gut kann man den Schaden bearbeiten? Kann man’s so lassen, oder muss es gemacht werden?“ Die Ästhetik der Ausstattung sollte gegenüber der neuen Raumschale nicht abfallen, betont der Geistliche. „Es wurde nie bedacht, dass man die Ausstattung vielleicht auch mal anschauen sollte. Jetzt haben wir das getan und bemerkt: Es muss restauriert werden. Geplant war das vorher nicht.“ Auch die Gruft unter der Basilika wurde saniert, ein neuer Bodenbelag, frischer Putz und andere Beleuchtung lassen die Krypta erstrahlen.
Jede Figur ist markiert: Auf einem Zettel steht,
Jede Figur ist markiert: Auf einem Zettel steht, wo die Figur ihren Platz hat und was genau restauriert werden muss. Bilder: Tina Sandmann


Die sechs Seitenaltäre bleiben noch bis September eingerüstet. Und auch die Orgel muss gereinigt werden. „Die Orgel hat 7720 Pfeifen, das dauert bis August, bis die gereinigt und dann neu gestimmt sind.“ Das geht erst, nachdem alle größeren Gerüstteile abgebaut sind.

Seit Januar hält Vogl die Gottesdienste entweder in der Klosterkirche der Abtei oder in der Kapelle des Altenheims St. Martin ab. „Ich bin froh, wenn wir wieder in die Basilika zurückkommen“, sagt der Geistliche. „Auch die Pfarrgemeinde freut sich und ist gespannt, wie es wohl ausschaut.“ Tina Sandmann

Die Kirchenbänke sind teilweise abgedeckt,
Die Kirchenbänke sind teilweise abgedeckt, teilweise Lageplatz für Werkzeug.




Information


Seit 9. Januar ist die Basilika wegen des Gerüstabbaus komplett gesperrt.

Die Werktagsgottesdienste sind in der Klosterkirche der Abtei.
Von außen sieht man der Stiftsbasilika nicht an,
Von außen sieht man der Stiftsbasilika nicht an, dass sich im Inneren eine Großbaustelle befindet.


Samstag: 17.30 Uhr Beichtgelegenheit und Rosenkranz in St. Martin, 18 Uhr Vorabendgottesdienst in St. Martin; Sonntag: 7.30 Uhr Beichtgelegenheit in der Klosterkirche, 8 Uhr Eucharistiefeier in der Klosterkirche; Sonntag: 9.30 Uhr Pfarrgottesdienst in der Klosterkirche mit dem Basilikachor; Sonntag: 11 Uhr Eucharistiefeier (Familiengottesdienst) in St. Martin.

Der festliche Pontifikalgottesdienst mit Weihe von Altar und Ambo zur Wiedereröffnung der Basilika ist am Sonntag, 26. März, um 10 Uhr.

Informationen für den Besuch der Basilika und zu Führungen im Pfarrbüro, Telefon 09632/1387 und E-Mail info@pfarrei-waldsassen.de. (tsa)

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