04.04.2017  | Netzcode: 5229255
Amberg

Berüchtigter Seefahrer

Ex-Maat Ingo Baas leitet Marinekameradschaft "Windrose"

Immer alles im Blick: Das 150 Jahre alte
Immer alles im Blick: Das 150 Jahre alte Fernrohr, das Ingo Baas selbst restauriert hat, ist wieder voll funktionsfähig. Bild: Tina Sandmann
Auf dem Mast im Garten flattert eine kleine rote Fahne im Wind. Ingo Baas ist zu Hause. „Alte Seefahrer-Tradition: Wenn die Fahne weht, ist jemand anwesend“, sagt der Amberger. Am Wochenende hisst er vor seinem Haus noch die Bayernflagge, die Europafahne und die Fahne des Deutschen Marinebundes.

Baas kennen viele Amberger nur unter den Spitznamen „Seemann“ oder „Captain“. Kein Wunder, denn der 73-Jährige ist Vorsitzender und Ideengeber der Marinekameradschaft Windrose. In seinem Heimatort Heppenheim (Hessen) ist Baas lange Zeit Vorsitzender der dortigen Mariner. Nach dem Umzug nach Amberg lässt ihn die Leidenschaft fürs Maritime nicht los. Er vermisst die starke Gemeinschaft. „Ich kannte hier niemanden und es gab keine Marinekameradschaft. Also gründete ich eine.“

Der Verein ist aktiv, veranstaltet Shanty-Abende. Anfangs sind viele Amberger allerdings skeptisch. „Wir hatten fast keine Besucher beim ersten Konzert. Keiner wusste: Was ist Shanty, wer sind diese Mariner? Den Leuten war das einfach unbekannt.“ Baas und seine Kameraden geben nicht auf. Der nächste Shanty-Abend ist schon besser besucht. „Bei der letzten Veranstaltung haben wir nicht mehr gewusst, wo wir die Leute noch hinsetzen können. Alle Stühle, Hocker, Bänke waren besetzt.“
Das Wappen der Kameradschaft zeigt unter anderem
Das Wappen der Kameradschaft zeigt unter anderem die Windrichtungsscheibe, der die Mariner ihren Namen verdanken. Bild: Tina Sandmann


Die Kameraden machen gemeinsame Ausflüge an Nord- und Ostsee, sind bei Hafengeburtstagen in Hamburg. Auch beim Altstadtfest sind die Mariner dabei. Bereits dreimal informierten die blauen Jungs über ihr Engagement für die Marinekameradschaft und über ihren Dachverband, den Deutschen Marinebund.

Trotzdem plagen den Captain Sorgen. Es fehlen die Mitglieder. Das geht aber nicht nur der „Windrose“ so. „Die ganzen Kameradschaften werden alt. Es gibt kaum Junge und die Alten dümpeln so vor sich hin. Wir wollen versuchen, andere, neue Wege zu gehen.“

Baas strebt momentan eine offizielle Partnerschaft mit der Marinekameradschaft Weiden an. Im Juli soll es soweit sein. „Es bleibt zwar weitgehend jeder für sich, aber wir unterstützen uns gegenseitig.“ Seit 2008 gibt es die Amberger Kameradschaft, mittlerweile hat sie aber nur noch acht Mitglieder. Im ersten Jahr nach der Gründung waren es 18. „Die Leute wollen nirgends mehr hinfahren, keine Ausflüge mehr machen und sich nicht engagieren. Und Jugendarbeit ist hier fast unmöglich, weil wir eben keinen Hafen haben.“
Ingo Baas in festlicher Uniform: Die sogenannte
Ingo Baas in festlicher Uniform: Die sogenannte Erste Geige ziehen Marinekameraden zu besonderen Anlässen an. Bild: Tina Sandmann


Das stimmt nicht ganz: Der „Heimathafen“ der Mariner ist die „Alte Kaserne“. Dort treffen sich die Kameraden zu Bord-Abenden. Meistens geht es um Klönschnack und Labskaus – gute Gespräche und traditionelle Seemannskost. Richtige Raritäten liegen in der Kaserne in einer Vitrine: „Wir haben edle und seltene Stücke.“ Das Lieblingsstück von Baas ist ein 150 Jahre altes Fernrohr, das er selbst restauriert hat.

Ingo Baas ist der einzig echte Seefahrer im Verein. Seine Kameraden waren nie bei der Marine, begeistern sich aber für alles Maritime. Der Amberger diente von 1962 bis 1965 auf dem Zerstörer „Fletcher“, den die Deutschen von den Amerikanern bekamen. „Wir Fletcher-Fahrer waren legendär und berüchtigt. Sind wir – immerhin eine Mannschaft von 250 Mann – an Land gegangen, flüchteten alle vor Angst. Wir waren die Kings der Seemänner“, sagt Baas lachend.

Mit der „Fletcher“ fuhr er alliierte Manöver auf dem Pazifik, lief Häfen in Halifax, Quebec, Madeira, Holland und Norwegen an. „Wir waren viel unterwegs. Spätestens nach 14 Tagen gingen wir an Land.“ Beheimatet waren die Schiffe in Flensburg beim Hafen der Marineschule Mürwik.

Bei der Marine war Ingo Baas Maat, Fachrichtung Signäler. „Im Kriegsfall durften wir nicht funken, der Gegner hätte uns abhören können.“ Also gab Baas Kommandos und Botschaften mit Flaggen weiter.
Seine Leidenschaft für die Seefahrt spiegelt sich
Seine Leidenschaft für die Seefahrt spiegelt sich auch im Büro von Ingo Baas wieder: Die ganze Wand hängt voll mit Schiffsminiaturen, einer Schiffsglocke und Bildern. Bild: Tina Sandmann


Seine Liebe zum Meer und der Seefahrt behält der Rentner nach der Dienstzeit. Die Mariner feiern nächstes Jahr ihr Zehnjähriges mit einer Party und der Amberger Band „Jalapenos Percussion“. Baas hofft, dass die Kameradschaft darüber hinaus besteht. „Es wäre schön, wenn wir ein paar Leute mehr wären.“

Informationen zur Marinekameradschaft „Windrose“ gibt es bei Ingo Baas unter Telefon 09621/914847 oder E-Mail ingo.baas@gmx.de sowie im Internet auf www.amberg.marine-kameradschaft.de . Tina Sandmann

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