04.04.2017  | Netzcode: 5229265
Weiden

Auf Terrorlagen vorbereiten

Bayerischer Katastrophenschutzkongress tagte in Weiden

Die Funkkennung "Kater TIR 13/2" verrät: Dieses
Die Funkkennung "Kater TIR 13/2" verrät: Dieses Fahrzeug des BRK-Kreisverbands Tirschenreuth gehört zum Katastrophenschutz. Bild: Harald Mohr
„Der Katastrophenschutz in Bayern wird zu über 80 Prozent vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) getragen“, sagte BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer beim zehnten Bayerischen Katastrophenschutzkongress am Wochenende in der Max-Reger-Halle und nannte damit den Grund, warum diese Veranstaltung vom BRK organisiert wurde. Hauptthema heuer: die Hilfeleistung bei terroristischen Katastrophenlagen. Zu diesem aktuellen Thema waren 820 Teilnehmer nicht nur aus Bayern gekommen, 82 Referenten hielten an drei Tagen Vorträge.

War das Schreckens-Szenario des Katastrophenschutzes in früheren Zeiten der Ausbruch des Dritten Weltkrieges, haben die Rettungskräfte heute die Gefahr terroristischer Anschläge vor sich – und das ganz real, wie die Ereignisse der vergangenen Monate gezeigt haben. War man einst auf Verletzungen durch atomare, biologische und chemische Kampfstoffe vorbereitet, rechnet man heute mit Verletzungen durch Schusswaffen oder Sprengstoff oder auch durch als Waffe eingesetzte Fahrzeuge.

„Wir müssen unsere Leute auf diese neue Form von Schädigung vorbereiten“, sagte Professor Dr. Peter Sefrin, der Bundes- und Landesarzt beim DRK/BRK. „Die meisten Verstorbenen sind verblutet.“ Zur Behandlung dieser Verletzungen brauche man auch neue Geräte. Dazu komme die Ausbildung: „Wir schulen das gesamte Personal.“
Bis in den hintersten Winkel kommt dieses
Bis in den hintersten Winkel kommt dieses Rettungsfahrzeug. Bild: Harald Mohr


Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein gab auch zu bedenken, welche psychischen Belastungen den 120 000 Einsatzkräften des BRK bevorstünden. Daneben müsse man an die Eigensicherung denken. Eine bessere Zusammenarbeit mit der Polizei sei nötig. Es könne nicht sein, dass Retter eingesetzt würden, solange der Tatort nicht gesichert sei.

BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk: „Wir müssen mit einem Massenanfall von Verletzten rechnen, das können wir auf Dauer nicht selber tragen.“ Man brauche „eine andere Art der finanziellen Unterstützung.“ So finanziere das BRK einige Fahrzeuge aus Eigenmitteln und Spenden. „Für diese Fahrzeuge brauchen wir noch medizinisches Equipment für Einsätze bei Terrorlagen und dafür noch das Geld. Es ist lebenswichtig, dass wir für alle Szenarien zeitgemäß ausgestattet sind.“ Das BRK schlägt den Behörden dabei eine klare Arbeitsteilung vor: „Wir stellen die Fachkräfte, die Ausrüstung muss vom Freistaat kommen.“
Das Innere der Mobilen Medizinischen
Das Innere der Mobilen Medizinischen Versorgungseinheit (MMVE). Bild: Harald Mohr


Auch Dieter Hauenstein sieht das so: „Wir bringen die Manpower und das Fachwissen mit ein, aber wir brauchen die Hardware.“ Um sich weiteres Fachwissen anzueignen, ist das Bayerische Ausbildungszentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) gedacht. Es soll laut Leonhard Stärk nicht die allgemeine Ausbildung ersetzen: „Die reguläre Ausbildung bleibt dezentral.“

Eine Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen werde jetzt über die genauen Anforderungen an dieses BayZBE nachdenken. Eines stehe schon fest: „Die Staatsregierung wünscht die nördliche Oberpfalz als Standort, das nehmen wir als Auftrag“, so Leonhard Stärk. In Frage käme hier Windischeschenbach, wo bereits im Gewerbepark das Atemschutzzentrum Nordoberpfalz existiert. Landrat Andreas Meier: „Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, der Teppich ist ausgerollt.“
Diese Mobile Medizinische Versorgungseinheit
Diese Mobile Medizinische Versorgungseinheit (MMVE) auf einem Sattelschlepper kann im Katastrophenfall eine Woche lang ohne Strom- und Wasseranschluss eine Arztpraxis ersetzen. Bild: Harald Mohr


Das fand Leonhard Stärk zwar „sehr beachtlich“, dennoch könnte Windischeschenbach noch an einer Hürde scheitern: Weil auch die Einsätze bei Hochwasserkatastrophen immer mehr zunehmen, wird für das BayZBE in der Nähe ein „reißendes Fließgewässer“ zum Üben gewünscht. Auf diesem Gebiet hat Windischeschenbach leider nur die ruhig dahinplätschernde Waldnaab zu bieten. (moh)

Fassten die Tagung bei einer Pressekonferenz
Fassten die Tagung bei einer Pressekonferenz zusammen: BRK-Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein (von links), BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer, BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk und Professor Dr. Peter Sefrin, Bundes- und Landesarzt beim DRK⁄BRK. Bild: Harald Mohr

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