05.04.2017  | Netzcode: 5229337

Welten wachsen zusammen

Vielfalt bei der "Faszination Modellbau" - Von Jahr zu Jahr mehr Besucher

SULZBACH-ROSENBERG. Die langen Nächte sind vorüber, die Hobbykeller wieder durchgelüftet: Immer im Frühjahr zeigen die Modellbauer, was sie in der vergangenen Saison so alles gebaut haben. Bei der "Faszination Modellbau" präsentierten sie am Wochenende in der Krötensee-Schule wieder ihre neuesten Schätze. Veranstaltet haben die Messe die Modellbauer Sulzbach-Rosenberg in Zusammenarbeit mit den Modellflugfreunden Sulzbach-Rosenberg und dem Jura-Modellflugclub Lauterachtal.

Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort: Die Modelle werden immer perfekter. Und das inzwischen nicht nur bei den großen Flugzeugen und Schiffen, sondern auch bei winzigen Modellen. "Mikro-Modellbau" nennt man diese vor allem in der Automodell-Szene aufkommende Subkultur. Kein Modell ist da zu klein, um nicht doch "gesupert" und in eine Modell-Szene eingebaut zu werden. "Die bauen alles um", ist Peter Ostermann von den Modellbauern Sulzbach-Rosenberg und der Initiator der Messe begeistert. Weil es von Jahr zu Jahr immer mehr Besucher werden, hat man sich heuer erstmals den Spaß gemacht, nach den am weitesten angereisten Besuchern zu forschen. "Einer kommt aus Osnabrück, das sind 580 Kilometer", ist Peter Ostermann stolz. Ein anderer ist von Salzburg hierher gefahren. Warum? "Viele sind begeistert von der Vielfalt", weiß Ostermann. Sogar die Modelleisenbahner hat man vor einigen Jahren ins Boot geholt, die sonst meist ein Einzelgänger-Dasein unter ihresgleichen führen, während die übrigen Modellbauer aus der "RC"-Ecke (Remote Control = Fernsteuerung) kommen.

Doch die Welten wachsen zusammen. Vor allem sieht man immer mehr Modellautos auf den Eisenbahnanlagen herumfahren. Inzwischen sind die Autos mit der gleichen Perfektion zu haben wie die Eisenbahnen und kurven genauso elegant über die Anlagen. Auch die "großen", klassischen Modellautos, die mittels Funkfernbedienung gesteuert werden, sind im Trend. "Modellautos haben stark zugenommen", hat auch Peter Ostermann beobachtet. Für viele Jugendliche bieten sie einen einfachen und billigen Einstieg ins Hobby.

Während bei dieser Klientel genügt, die Packung aufzureißen und die Batterien einzulegen, haben es die zumeist älteren Modellbauer in vielen Jahrzehnten zu wahrer Perfektion gebracht. Der Trend geht dabei seit Jahren in Richtung "Scale", das bedeutet maßstabsgetreues Nachbauen eines bestehenden Vorbildes, sei es ein Schiff oder ein Flugzeug.

Dass man Modellbau auch für anschauliche Geschichte nutzen kann, zeigen die beiden Amateur-Historiker Helmut Birner und Klaus Schriml. Nach jahrelangen Forschungen über den ehemaligen Militärflugplatz Schafhof (in der Nähe der Autobahnausfahrt Amberg-Ost) haben die beiden jetzt ein Modell der Anlage im Maßstab 1:72 gebaut, das es dem Betrachter ermöglicht, den Zusammenhang der wenigen verbliebenen Reste zu verstehen, die als einer der "Lost Places" der Region an der Straße Schafhof-Ebermannsdorf noch zu erkennen sind.

Mit Militärgeschichte anderer Art beschäftigte sich diesmal der bekannte Kartonmodellbauer Gerhard Häußler aus Hartenstein, der in den vergangenen Jahren bereits durch Modelle wie den Pariser Eiffelturm von sich reden gemacht hat. Seinen Auslegung des Hobbys Modellbau geht so: Er kauft sich Modellbögen aus Karton mit Teilen zum Ausschneiden. Das klingt zuerst nach Kinderspielzeug, ist aber Modellbau in höchster Perfektion: Für sein neuestes Modell, das Geschütz "Leopold" aus dem Zweiten Weltkrieg, hat er 17 Monate gebraucht. Nur wer es weiß, erkennt, dass es aus Pappkarton gebaut ist.

Der Schiffsmodellbauclub Weiden, auch ein langjähriger Gast bei der "Faszination Modellbau", hat heuer das Modell eines Denkmals gezeigt, nämlich der versunkenen U.S.S. Arizona, die man heute in dem "U.S.S. Arizona Memorial" in Pearl Harbor von außen besichtigen kann.

Natürlich waren auch im Freigelände wieder die vielen Modellflieger unterwegs, und in extra aufgestellten Containern voll mit Erde zeigte man, was Modell-Baumaschinen alles können. Das THW und andere hatten Fahrzeuge im Maßstab 1:1 dabei, mit anderen Worten: echte Fahrzeuge. Harald Mohr


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