11.04.2017  | Netzcode: 5235245
Moosbach

Mieses Essen in Vatikan-Kantine

Papst-Kenner Andreas Englisch feuert Anekdoten-Salven

Auf Einladung der Kolpingsfamilie ist Andreas
Auf Einladung der Kolpingsfamilie ist Andreas Englisch nach Moosbach gekommen. Bekannt ist er durch spektakuläre Fernsehauftritte. Bild: Harald Mohr
Er hat den Beinamen „Maschinengewehr Gottes“. Wer ihm in der Pfarrkirche in Moosbach versucht hat zuzuhören, der weiß warum: Andreas Englisch, lange Jahre Vatikan-Korrespondent, feuert seine Redesalven so schnell ab, dass sie sich im Nachhall des Kirchenschiffs überschlagen und nur noch zum Teil verständlich sind – mag der Mann am Mischpult auch sein Bestes geben und ständig nachregeln. Doch der Rest, den man versteht, enthält immer noch genügend Spannendes.

Auf Einladung der Kolpingsfamilie Moosbach ist er gekommen, der sonst eher durch spektakuläre Fernsehauftritte bekannt ist. Englisch hat einen erstaunlichen Wandel in seiner Lebensgeschichte hinter sich. Nach Rom sei er im Jahr 1987 nur gezogen, weil er Italienisch lernen wollte, erzählt der Literaturwissenschaftler und Journalist. Schließlich landete er als Vatikan-Korrespondent der Zeitung „Welt“ im Vatikan und kam dort mit gleich drei Päpsten – Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus – zusammen, hat diese zum Teil auf ihren Reisen begleitet.

Am Anfang habe er sich überhaupt nicht für die Kirche im Allgemeinen und den Vatikan im Besonderen interessiert. Heute outet sich der 53-Jährige als bekennender Gläubiger und Papst-Verehrer. Echte Kirchenkritik oder „Insider-Wissen“ hat man von dieser Seite daher nicht zu erwarten. Stattdessen plauderte die Schnellfeuerwaffe aus dem Vatikan überschwänglich und voller Begeisterung vor allem über Papst Franziskus und die von ihm eingeführten Neuerungen. Der Unterschied sei riesengroß zu den bisherigen Päpsten.

Für Aufsehen hatte der derzeitige Papst schon bei seiner Amtsübernahme gesorgt. Während seine Vorgänger unter anderem einen verlängerten Lancia Thesis als Dienstwagen nutzten, stieg Franziskus bekanntlich auf einen gebrauchten Ford Focus um. Statt in den päpstlichen Gemächern wohnt er im Gästehaus der Heiligen Martha in einem Einzelzimmer. „Er empfängt dort tatsächlich seine Gäste.“

Und er nimmt sein Mittagessen in der Kantine ein. Die einzige ironisch-kritische Bemerkung von Andreas Englisch am ganzen Abend betrifft auch das Essen dort. Es sei so schlecht wie nirgendwo sonst in Rom. Vor allem ärgert ihn: „Die haben keine vernünftigen Würstchen.“

Die eigentliche „Kriegserklärung“ von Franziskus sei an Ostern 2013 gewesen, dem ersten Osterfest des neuen Papstes. Da habe Franziskus es abgelehnt, das aufwendige Ornat zu tragen, das an diesem höchsten Feiertag der katholischen Kirche vorgeschrieben sei, und sei stattdessen in seinem abgewetzten alten Priestergewand erschienen.

Auch pflege der Papst auf seinen Dienstreisen stets einfaches Personal des Vatikans mitzunehmen, das ihm über den Weg gelaufen sei. So seien schon einmal der Aufzugsingenieur und eine Wäschefrau mitgeflogen. Bei der vatikanischen Weihnachtsfeier im Jahr 2014 („eigentlich eine langweilige Sache, bei der die älteren Herren immer einschlummern“), habe er die anwesenden Kardinäle „völlig in die Pfanne gehauen“.

Einmal habe er sich vom Petersplatz in die jubelnde Menge draußen begeben und sei zum Entsetzen seiner Sicherheitsleute in der Menschenmasse verschwunden, um erst viel später wieder im Vatikan aufzutauchen. So entsetzt man im Vatikan über Franziskus sei, so begeistert seien die Gläubigen: „Die ganz normalen Leute finden ihn wunderbar.“ (moh)

Runde 300 Leute waren in die Pfarrkirche
Runde 300 Leute waren in die Pfarrkirche gekommen, ganz normal für Vorträge des Vatikan-Kenners Andreas Englisch. Bild: Harald Mohr

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