15.04.2017  | Netzcode: 5237985

Wenn die Hüllen fallen

Der Weidener Rektor Reinhard Kausler steht seit zwölf Jahren auf der Bühne - In "Ladies Night" spielt er einen Stripper

NEUSTADT/WN/WEIDEN. Morgens im Sakko vor der Schultafel, abends im Lackhöschen auf der Bühne. Was sich zunächst wie ein witziger Hollywoodstreifen anhört, ist für Reinhard Kausler Realität. In der Inszenierung von "Ladies Night" des Landestheaters Oberpfalz lässt der Rektor der Weidener Stötzner-Schule in seiner Rolle als Stripper alle Hüllen fallen. "Gefühlstechnisch lässt man als Schauspieler immer wieder die Hosen runter", sagt der 58-jährige Weidener, der seit zwölf Jahren regelmäßig auf der Theaterbühne steht. "Dieses Mal tue ich das eben auch im wahrsten Sinne des Wortes."

"Keiner hat mir gesagt, dass ich mich hier total entblößen muss!" Franz-Xaver ist entsetzt. Ja gut, er hat sich freiwillig auf das Inserat beworben, in dem "knackige Jungs" für eine Strippergruppe gesucht wurden. Aber irgendwann hört der Spaß dann doch wirklich auf! Für das Publikum des Stückes "Ladies Night" in der Stadthalle Neustadt fängt der Spaß jedoch gerade erst so richtig an. Schallendes Gelächter ist zu hören, als Franz-Xaver mit den Knöpfen seines Hemdes kämpft, seinen Gehstock durch die Luft wirbelt - und schließlich die Hosen fallen lässt. Noch trägt er weiße Rippunterwäsche, die Szene mit dem Lackhöschen soll erst noch folgen.

Vor zwei Jahren stand Reinhard "Schorschi" Kausler zum ersten Mal als Franz-Xaver auf der Bühne. Und jetzt ist er wieder als Teil der Strippergruppe "Die glorreichen Sechs" in der englischen Kultkomödie, die Regisseur Till Rickelt in die Oberpfälzer Gegenwart transferiert hat, zu erleben. Über 5000 Zuschauer haben diese bereits gesehen. Der großen Nachfrage ist es auch zu verdanken, dass es in diesem Jahr erneut zu einer Wiederaufnahme kam - und der Rektor der Weidener Stötzner-Schule sich wieder einmal auszieht. Aber auch, wenn das doch nun schon fast Routine sein müsste, aufgeregt ist er immer noch.

"Und das ist auch gut so", sagt Schorschi alias Franz- Xaver. "Ohne diese Nervosität, würde etwas fehlen - vor allem der Kick für mich selbst. Ich brauche diese Anspannung, um dann auch 120 Prozent zu bringen." Viele verschiedene Rollen hat der Schorschi schon gespielt, seit er 2005 zum ersten Mal für die Stadtbühne Vohenstrauß im Ludwig-Thoma-Stück "Magdalena" auf der Bühne stand. Ernste und nicht so ernste, böse und nicht so böse. Auch das Lackhöschen ist nicht neu, das trug er schon in der Walpurgisnacht-Szene bei "Faust". Also alles halb so wild?

"Man steht ja auch im Hallenbad oder im Freibad mit der Badehose rum - und jeder sieht, wie man nun mal ausschaut", sagt der 58-Jährige. "Aber natürlich ist das auf der Bühne schon etwas anderes. Man weiß genau, jeder schaut einen an, dann ist man auch noch so hell ausgeleuchtet. Da braucht man natürlich schon ein gesundes Selbstbewusstsein. Aber das haben wir alle. Wenn wir das nicht hätten, könnten wir das nicht machen." Denn "Die Glorreichen Sechs" sind nun mal nicht die "Chippendales", von Traummaßen und Waschbrettbäuchen können die Herren alle nur träumen. Und gerade das macht sie doch so sympathisch - und "Ladies Night" so herrlich witzig.

"Nachdem meine Frau und einer meiner Söhne das Stück zum ersten Mal angeschaut haben, waren sie einfach nur begeistert", erinnert sich Schorschi und lacht. "Denn es ist ja in keiner Weise schlüpfrig, frivol oder peinlich - sondern einfach nur lustig!" Auch die Eltern seiner Schüler fanden bislang nichts Anstößiges dabei, dass der Herr Kausler abends alle Hüllen fallen lässt - eher im Gegenteil. Die Theaterbegeisterten unter ihnen saßen bereits im Publikum, die anderen bekamen davon nicht viel mit, da "Ladies Night" bislang noch nicht in Weiden gespielt wurde.

"Wir hatten früher bei der Stadtbühne und jetzt beim LTO noch nie ein Stück, das so oft von den Zuschauern angeschaut wurde", sagt Schorschi, der seit sechs Jahren außerdem Vorsitzender der Stadtbühne Vohenstrauß ist. "Manche kommen sogar drei- oder viermal. Die Mundpropaganda ist enorm!" Mit großem Spaß verfolgt das Publikum auch an diesem Abend wieder, wie sich Stefan, Rudi, Holger, Leonhard, Franz- Xaver und Toni angestrengt auf ihren großen Abend und ihre erste eigene Stripshow vorbereiten. Denn schließlich wollen die Ladies "knisternde Erotik" - und die sollen sie auch bekommen!

"Das Strippen ist ja nur ein Teil des Stückes", sagt Schorschi alias Franz-Xaver. "Das ist das Highlight am Schluss. Aber vorher geht es ja um Männer, die gestrandet sind. Da sind Mimik und Ausdruck einfach das Wichtigste." Doch auch das Fallenlassen der Hüllen - oder besser gesagt: der Hosen - will geübt sein. Für die Stripshow bekamen die Schauspieler natürlich eine Choreographie, die sorgfältig einstudiert wurde. Mit dem Einstudieren hat Schorschi ja genug Erfahrung, auch wenn dieses in seinem Beruf als Lehrer dann doch etwas anders aussieht. Doch heute Abend ist der Herr Kausler eben nicht Lehrer, sondern Stripper. Und auch dabei schlägt er sich alles andere als schlecht! Evi Wagner

(Die Reportage ist der aktuellen Ausgabe des Stadtmagazins LEO Weiden entnommen).


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