19.04.2017  | Netzcode: 5239721

Wohin mit den Ladesäulen?

Landkreis Amberg-Sulzbach will Konzept für Elektromobilität erstellen

AMBERG-SULZBACH. Ganze 86 Elektroautos sind derzeit im Landkreis Amberg-Sulzbach zugelassen, darunter viele Fuhrparkfahrzeuge. Gemäß dem Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu haben, wären das heruntergebrochen auf den Landkreis etwa 1300. Wie die Lücke schließen? Das soll ein Elektromobilitäts-Konzept herausfinden, das jetzt vom Institut Neue Mobilität in Zusammenarbeit mit der Firma Elektrotechnik Hardy Barth in Schwend erstellt wird. Neulich lud man alle Interessierten zu einem ersten Informationsgespräch ins Landratsamt ein.

Matthias Groher aus Sulzbach-Rosenberg ist der Geschäftsführer vom Institut Neue Mobilität mit Sitz in Berlin. So nah an seiner Heimat sei er beruflich noch nie gewesen, sagt er. Normalerweise pendle er zwischen Berlin und München, nur am Wochenende komme er heim. Viele Bürgermeister sind gekommen an diesem Abend, auch Unternehmer und der harte Kern der überzeugten Elektroautofahrer.

Alles dreht sich um Ladestationen. "Wir müssen schauen, wo noch Ladeboxen hinkommen", sagt Groher. Autos gebe es schon zu kaufen, und es werden immer mehr. Das berühmte Henne-Ei-Problem. Ohne Autos keine Ladestationen, aber ohne Ladestationen auch keine Autos.

Selbst das aktuelle Förderprogramm der Bundesregierung hat keinen E-Auto-Boom in Schwung bringen können. Werden öffentliche Ladestationen helfen? "Laden wird sehr viel zu Hause und beim Arbeitgeber stattfinden", dämpft Hardy Barth all zu hohe Erwartungen. Auch er ist unparteiisch, denn seine Firma stellt Ladesäulen für beide Zwecke her. Man war sich einig, dass die einsame Ladesäule vor dem Dorf-Rathaus nicht viel bringt. Besser seien sie dort aufgehoben, wo man sowieso sein Auto eine gewisse Zeit parkt: Bahnhöfe, Gastronomie, Schulen, Supermärkte, Freizeiteinrichtungen. Ein Problem bleibt aber: Das Auto blockiert die Ladestation, auch wenn es schon voll geladen ist, der Besitzer aber noch vor seinem Schweinsbraten sitzt oder mit dem Zug unterwegs ist.

"Einmal volltanken bitte", gehört wohl der Vergangenheit an. Elektroauto-Fahrer, die auf öffentliche Ladesäulen angewiesen sind, müssen jede Gelegenheit nutzten, um an Strom zu kommen, und sei es auch nur für ein paar Minuten. Voll-Laden ist auch nicht effektiv, denn der Ladevorgang zieht sich um so mehr in die Länge, je voller die Akkus schon sind. Zwar erlauben Schnell-Ladesäulen ein Laden in relativ kurzer Zeit, doch sie sind sehr teuer, nämlich um die 30 000 Euro. Deshalb empfiehlt Hardy Barth, besser viele einfache Ladesäulen für je rund 5000 Euro aufzustellen als wenige Schnell-Ladesäulen. Die seien nur an Autobahn-Raststätten sinnvoll.

Ein Problem stellen auch die Anschlüsse dar. Zurzeit gibt es sechs verschiedene: So die gewöhnliche Schukosteckdose oder den CEE-Anschluss (bekannt vom Camping). Sinnvoll seien aber nur die Typen, die speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt wurden. Sie bieten hohe Ladeströme und eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Ladestation, die zum Beispiel eine Regelung des Ladestroms ermöglicht. Gebräuchlich sind der Typ 1 und der Typ 2, daneben das "CHAdeMo"-System aus Japan sowie das deutsche CCS-System. Die meisten öffentlichen Ladesäulen bieten zumindest das Typ 2-System an. "Der Standard ist somit da", findet Hardy Barth.

Jetzt gilt es, sich landkreisweit auf einen Standard für die Steckdosen zu einigen. Für andere Fahrzeuge gibt es Adapterkabel. Natürlich will man auch von Anfang an mit den Nachbarlandkreisen oder der Stadt Amberg Kontakt aufnehmen, denn mit Insellösungen ist keinem gedient. Weiter gilt es, sich auf ein Bezahlsystem zu einigen, mit dem man möglichst an allen Ladestationen bargeldlos mit einer einzigen Karte bezahlen kann. Nach einer Bestandsaufnahme und der Erstellung eines Standards will man in einer späteren Phase viele Gespräche führen und gleichzeitig mit einer Online-Umfrage herausfinden, was die Bürger wollen. (moh)


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