10.05.2017  | Netzcode: 5256657

Die Pflanzen wollen endlich raus

Stadtgärtnerei in den Startlöchern: Wann wird es warm?

Gärtner Wolfgang Schröder erklärt den Besuchern
Gärtner Wolfgang Schröder erklärt den Besuchern geduldig alles, was sie wissen wollen. Bild: Harald Mohr
AMBERG. Kaum ein Mensch ist zu sehen. Ab und zu surrt es, die Beschattungsanlage fährt die weißen Dachvorhänge auf oder zu oder öffnet ein Dachfenster. Oder es rauscht, wenn die automatische Bewässerungsanlage arbeitet. Die Zeit der Roboter hat in der Stadtgärtnerei Amberg schon im Jahr 2002 begonnen, als man von der Raigeringer Straße hier her auf das Gelände des Bauhofes zog. Eine Exkursion der Umweltwerkstatt führte neulich in diese geheimnisvollen Räume.

Die meisten der 35 Mitarbeiter sind draußen im Außendienst, pflanzen die städtischen Beete an oder kümmern sich um die Grünflächen. 58,9 Hektar kommen da zusammen, das entspricht der Fläche von etwa 60 großen Fußballfeldern (120 mal 90 Meter). Dagegen sind die fünf riesigen Gewächshäuser mit ihren insgesamt 2000 Quadratmetern entsprechend 0,2 Hektar geradezu winzig. Aber es ist ja auch der Anzuchtbetrieb. Die Pflanzen sind noch jung und klein, die meisten wachsen in kleinen Blumentöpfen.
Im Überwinterungshaus warten Palmen und Yuccas
Im Überwinterungshaus warten Palmen und Yuccas auf den Sommer.


Gärtner Wolfgang Schröder ist hier der Vorarbeiter und strahlt, wenn er seinen Pflänzchen beim Wachsen zuschauen kann. Wenn etwas nicht passt, dann geht es erst mal zum Computer ins Büro. Von dort aus wird die gesamte Anlage vollautomatisch gesteuert. Man muss ihr nur sagen, wann sie was machen soll. Sensoren erfassen die Lichteinstrahlung, die Temperatur, den Wind, die Luftfeuchtigkeit.

Die fünf Treibhäuser entsprechen fünf Klimazonen mit jeweils anderen Umwelt-Parametern. Wird es zu warm, gehen die Fenster auf, wird es zu kalt, schaltet sich die Heizung ein. Temperaturen zwischen 5 Grad im Überwinterungshaus und 26 Grad im Warmhaus lassen sich einstellen.
2000 Quadratmeter groß sind die fünf
2000 Quadratmeter groß sind die fünf Gewächshäuser insgesamt. Bilder: Harald Mohr


Alle Pflanzen stehen in Wannen in Arbeitshöhe. Wird es zu trocken, bewässert die Anlage die Wanne aus der hauseigenen, 150 Kubikmeter großen Zisterne mit Regenwasser, dem automatisch die richtige Menge des geeigneten Düngers zugegeben wird. Haben sich die Pflanzen in ihren Töpfen vollgesogen, wird das Wasser wieder abgepumpt und recycelt.

So geruhsam die Stimmung hier auch ist, in einem Gewächshaus gibt es auch gefährliche Situationen, nämlich wenn es hagelt. „Wir haben früher gelernt, uns unter die Tische zu legen“, erzählt Wolfgang Schröder. Gleich im ersten Betriebsjahr 2002 des neuen Gewächshauses ist es tatsächlich passiert: Ein Jahrhundert-Hagel zerstörte 80 Prozent aller Dachfenster. „Eines der Körner hat sogar einen Tisch glatt durchschlagen.“ Deshalb gilt heute in Gewächshäusern bei Hagel die Regel: „Alle raus!“
Die Flamingoblume (Anthurium) aus der Familie der
Die Flamingoblume (Anthurium) aus der Familie der Aronstabgewächse blüht das ganze Jahr über.


Eine Gefahr sind auch die Schneelasten. Bei Schnee heizt der Computer deshalb alle Häuser automatisch auf zwölf Grad auf, damit der Schnee abtaut. Aber jetzt wird es erst einmal Sommer, und die Gewächshäuser werden bald ziemlich leer werden. Bis die Vorbereitung auf die nächste Saison beginnt. Harald Mohr


So sieht eine Zitronenblüte aus.
So sieht eine Zitronenblüte aus.

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