13.05.2017  | Netzcode: 5259617

Erbe neu erlebbar

Millionensanierung lässt Deutschlands ältestes Römer-Juwel wieder leuchten

REGENSBURG. Ihr Wert ist den 240 dunkelgrauen Steinquadern in der Regensburger Altstadt auf den ersten Blick kaum anzusehen: Sie sind Teil des ältesten römischen Bauwerks, das in Deutschland erhalten ist. Es waren die Legionäre Kaiser Marc Aurels, die vor fast 1900 Jahren diese Steine übereinander schichteten.

Der "Porta Praetoria" genannte Torbogen war einst der Eingang zu dem römischen Militärlager "Castra Regina", das Marc Aurel an der strategisch wichtigen Stelle am nördlichsten Punkt der Donau errichten ließ und aus dem später Regensburg entstand. Jetzt wurde eine rund drei Millionen Euro teure "Frischzellenkur" erfolgreich abgeschlossen. Ab diesem Sommer sollen dann eine römische Piazza und ein 3-D-Modell das römische Erbe der zwei Jahrtausende alten Stadt an der Donau für Besucher noch eindrucksvoller erlebbar machen.

Die Porta Praetoria ist für Historiker neben der berühmten Steinernen Brücke und dem gotischen Dom das identitätsstiftende Bauwerk Regensburgs, das seit 2006 zum Unesco-Welterbe zählt. Neben der Porta Nigra in Trier ist die Porta Praetoria der einzige römische Torbogen in Deutschland, der aus dem zweiten Jahrhundert erhalten blieb.

Das heutige Regensburg war als Stützpunkt der dritten italischen Legion für die Römer einer der wichtigsten Bausteine ihrer Verteidigungslinie gegen die germanischen Stämme. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tor jedoch wiederentdeckt. Beim Bau des Regensburger Altstadt-Hotels "Bischofshof am Dom" wurde es teilweise mit einbezogen. Der Zahn der Zeit hatte an dem Römer-Erbe deutlich sichtbar genagt: Mehr als jeder zweite Quader hatte Risse. Schadstoffe in der Luft - wie Kohlen- und Schwefeldioxid - hatten dem Kalkstein gefährlich zugesetzt.

Anfang 2016 startete - nach jahrelangen Planungen und Abstimmungen - eine umfassende, drei Millionen Euro teure "Frischzellenkur". Den Löwenanteil der Summe, rund zwei Millionen Euro, stemmte der Bund als "Nationales Projekt des Städtebaus". Rund 700 000 Euro stellte der Welterbe Kulturfonds Regensburg zur Verfügung, die Stadt Regensburg trug 300 000 Euro.

"Es war uns Herzensangelegenheit, dieses römische Juwel erlebbar zu machen", sagt der zweite Vorsitzende des "Welterbe Kulturfonds Regensburg - Die Förderer e.V.", der "Bischofshof"-Brauereidirektor Hermann Goß. Weil die Reste des Legionslagers heute Teil des Hotels "Bischofshof am Dom" sind, habe die Brauerei eine besondere Verantwortung für den Erhalt verspürt, sagt Goß. "Bischofshof" gehört zu den wesentlichen Förderern des Welterbevereins und war auch Motor für die jetzt abgeschlossene Generalsanierung. "Wir haben lange auf diesen Tag gewartet und freuen uns, dass dieses bedeutende Denkmal für die Zukunft gesichert werden konnte", so der Chef der Regensburger Stiftungsbrauerei.

Bis zum Sommer dieses Jahres soll die Porta Praetoria für Besucher noch attraktiver werden. Pünktlich zur offiziellen Eröffnung am 16. Juni - genau eine Woche vor dem Regensburger Bürgerfest am 23. Juni - soll auch die derzeit noch laufende Sanierung im Inneren des historischen Römertors abgeschlossen sein: Erstmals ist dann ein 2000 Jahre alter Innenraum für Besucher zugänglich. Ein 3-D-Modell erklärt dort dann die große Geschichte Regensburgs als römische Festung sowie die faszinierende "Welt der Steinquader".

Vor der Porta Praetoria wird künftig eine kleine Piazza im römischen Stil zum Verweilen einladen. Damit ist der 2000 Jahre alte Zeitzeuge dann auch bestens gerüstet für den Besucheransturm, der ab dem kommenden Jahr noch einmal deutlich anschwellen dürfte: Das römische Legionslagertor liegt nur wenige 100 Meter entfernt vom neuen "Museum der Bayerischen Geschichte", das im Mai 2018 in der Altstadt eröffnet. (obx)


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