26.07.2017  | Netzcode: 5315521

Auf Empfang

Ausstellung über den "Rundfunk im Wandel der Zeit" im Stiftlandmuseum

WALDSASSEN. Der erste Waldsassener, der ein Radiogerät hatte, war wahrscheinlich der Lehrer und Stadtrat Josef Wagner. Zumindest hatte er im Januar 1924 die Zeitschrift "Der Deutsche Rundfunk" abonniert, die erste Programmzeitschrift Deutschlands. Die Sonderausstellung "Rundfunk im Wandel der Zeit" im Stiftlandmuseum lebt von solchen Recherchen von Stadtheimatpfleger Robert Tremel, von der gigantischen Sammlung des Mitterteichers Alois Meierhöfer und der Expertise und den teilweise selbst gebauten Exponaten des Waldsasseners Bernhard Baumgärtl.

Der Nachrichtentechniker kennt sich mit Geschichte und Technik gleichermaßen aus. Von ihm stammt zum Beispiel ein funktionierendes Radio mit der Technik der zwanziger Jahre, das man selbst bedienen kann. Und dann merkt: "Radioempfang war eine aufregende Geschichte." Bei den frühen Geräten musste man bei jedem Senderwechsel zuerst die beiden Schwingkreise mittels der Drehkondensatoren auf die gleiche Frequenz bringen, dann die Rückkopplung und dann die Antennenkopplung einstellen. Und das Ganze immer wieder nachjustieren.

Das war nur was für Technikfreaks. Und man musste einen Stromanschluss haben, den es noch nicht in ganz Deutschland gab.

Ganz am Anfang freilich gab es "Detektorempfänger", die ohne Strom auskamen: Sie nutzten die Energie, die in der elektromagnetischen Strahlung des Senders selbst steckt. "Die reichte aber nur in einem Umkreis von 10 bis 15 Kilometer rund um den Sender aus, zum Beispiel in Berlin." Und man konnte nur mittels Kopfhörer hören.

Das Josef Wagner ausgerechnet im Jahr 1924 das erste Mal Radio hörte, mag damit zusammenhängen, dass just in diesem Jahr die "Deutsche Stunde" in München ihren Sendebetrieb mit 135 gemeldeten Rundfunkteilnehmern begann. Ende der zwanziger Jahre wurden die Radios, die bisher extrem teuer waren, allmählich auch breiteren Schichten zugänglich. Aber erst die durch die NS-Machthaber aus Propagandagründen subventionierten "Volksempfänger" waren ab 1933 für jeden Haushalt erschwinglich.

Nach dem Krieg nahm der neu gegründete Bayerische Rundfunk im Jahr 1949 den ersten Sendebetrieb in München auf. In Nürnberg entstand das "Funkhaus Nürnberg". In den fünfziger Jahren baute der BR auf dem Ochsenkopf jenen Sender, der seither für die Versorgung Nordbayerns zuständig ist. In der unmittelbaren Nachkriegszeit gab es Radiobausätze zu kaufen. "Es waren aber keine Röhren drin, die musste man sich auf dem Schwarzmarkt besorgen", so Bernhard Baumgärtl.

Doch dann kam die Zeit der großen Röhrenradios für die gute Stube, wegen ihres Aussehens auch "Gebissradios" genannt. Von deren Tonqualität ist Bernhard Baumgärtl heute noch begeistert, denn diese Geräte waren im Grunde riesige Lautsprecher mit eingebautem Radioempfänger.

Auch die ersten tragbaren "Kofferradios" hatten noch Röhren. Diesen Geräten war aber kein langer Erfolg beschieden, denn schon war die Transistortechnik auf dem Vormarsch. Sie ermöglichte auch den Bau kleiner "Transistorradios" für unterwegs, sowie von Autoradios. Weitere Miniaturisierung brachten die integrierten Schaltkreise mit sich.

Die Ausstellung ist noch bis Anfang 2018 zu sehen. Das Stiftlandmuseum ist geöffnet mittwochs bis sonntags von 10 bis 16 Uhr (ab 13. September von 13 bis 16 Uhr). Harald Mohr


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