29.07.2017  | Netzcode: 5318645
AMBERG

"Wir vermitteln Familienmitglieder"

Rund 300 Tiere finden im Tierheim Amberg jährlich neue Besitzer

Herrchen oder Frauchen ist verstorben oder krank geworden, kann sich aufgrund eines neuen Jobs nicht mehr kümmern - oder ist einfach überfordert. Die Gründe, warum Vierbeiner im Tierheim landen, sind vielfältig. Oft kommen sie auch aus schlechter Haltung oder wurden herrenlos auf der Straße aufgefunden.

14 Hunde, 70 Katzen und 20 Kaninchen warten derzeit im Amberger Tierheim auf neue Besitzer. "Unser Ziel ist es, dass die Fellnasen schnellstmöglich wieder in ein gutes Zuhause kommen", sagt Ingrid Mallmann vom Tierschutzverein Stadt Amberg und Landkreis Amberg-Sulzbach. "Eine artgerechte Haltung ist dabei ein absolutes Muss."

"Dann kommen Sie doch am besten am Freitag vorbei, dann können Sie den Timmy persönlich kennenlernen, ich freue mich!" "Nein, leider können wir Ihre Katze in den Ferien nicht zu uns nehmen, aber ich kann Ihnen die Nummer einer guten Tierpension geben." "Wie ist der Zustand des Hundes, lässt er sich anfassen? Ja, Sie können ihn jederzeit vorbei bringen, ich danke Ihnen. Bis später!"

Immer wieder klingelt das Telefon im Büro des Amberger Tierheims, Ingrid informiert über Besuchszeiten, spricht mit Leuten der Pflegestellen, beantwortet Fragen zu den Gassigeh-Bedingungen. "Angefangen hat alles damit, dass ich selbst einen Hund aus dem Tierheim aufgenommen habe", erzählt die sympathische Sulzbacherin, die hier ehrenamtlich arbeitet. "Dann bin ich da irgendwie so reingerutscht ..."

Mehrere hundert Tiere hat Ingrid in den vergangenen zwei Jahren vermittelt. Eine Aufgabe, die "viel Menschenkenntnis und Bauchgefühl" erfordert, wie sie sagt. Und die nicht immer leicht ist. "Für Tiere gibt es leider keinen Führerschein. Jeder kann sich einen Hund oder eine Katze holen. Für mich ist es ganz schlimm, wenn wir hier jemanden kein Tier geben, weil die Bedingungen nicht passen, man jedoch weiß, dass er letztendlich doch irgendwo eines herbekommt. Dann erwischt es eine andere arme Seele."

Rund 300 Tiere finden im Amberger Tierheim jährlich neue Besitzer. Vermittelt werden sie nur in eine artgerechte Haltung. Um diese auch zu gewährleisten, werden die Bedingungen im neuen Zuhause schon vorab in Augenschein genommen. "Vor der Abgabe von Hunden fahren wir direkt bei den Leuten vorbei", erzählt Ingrid. "Dort sprechen wir dann vor Ort noch einmal und sehen uns das Umfeld an. Bei Katzen ist das leider nicht immer möglich. Da schaue ich mir dann die neue Adresse auf Google Maps an. Wenn diese zum Beispiel an einer vielbefahrenen Bundesstraße liegt, möchte ich nicht unbedingt eine Freigänger-Katze mitgeben."

Auch bei den Kaninchen wird Wert darauf gelegt, dass sie in ihrem neuen Zuhause genügend Auslauf bekommen. "Kaninchen sind übrigens kein ideales Kuscheltier für Kinder. Sie mögen es nicht, auf dem Arm gehalten zu werden, brauchen viel Platz, wollen laufen und Haken schlagen. Die Käfige, die im Handel oft als Kaninchenvilla angepriesen werden, sind sicher keine artgerechte Haltung", erklärt Ingrid. Nicht nur viele Kaninchen warten in der Abteilung für Kleintiere gerade auf ein neues Daheim, sondern auch Farbratten und Degus. Bei Degus handelt es sich um possierliche Nagetiere aus der Gattung der Strauchratten, die in Chile heimisch sind. Hierzulande werden sie gerne als Haustiere gehalten - und landen so auch immer wieder einmal im Tierheim.

"Ich würde heute gerne den Lucky mitnehmen." "Und ich den Blacky." "Mir ist es egal, ich gehe mit jedem gerne." Im Eingangsbereich des Tierheims herrscht inzwischen Hochbetrieb, die Gassigehn-Zeit hat begonnen. Teenagerpärchen, Papas und Mamas mit Kindern und rüstige Senioren haben sich eingefunden, um mit einem der Hunde eine Runde zu drehen. Aufgeregtes Gebell ertönt, ein Vierbeiner nach dem anderen wird schwanzwedelnd übergeben und verschwindet mit seinen zweibeinigen Freunden nach draußen.

"Gassigeher kann bei uns jeder werden, der Mitglied im Tierschutzverein ist und einen Gassigeher-Ausweis hat", sagt Ingrid. "Dieser ist ganz unkompliziert zu bekommen. Es werden bei der Herausgabe nur einige Regeln durchgesprochen, die einzuhalten sind. Wir möchten einfach wissen, wer mit unseren Hunden unterwegs ist. Denn keiner gibt wohl jemanden, der einfach mal an der Tür klingelt, seinen Hund mit."

Immer wieder erreichen auch Anrufe von besorgten Nachbarn, die eine schlechte Haltung von Tieren anzeigen möchten, die Mitarbeiter des Tierheims. "Solche Rettungen müssen über das Veterinäramt laufen, einfach eine Email schicken oder direkt da anrufen, die gehen den Fällen dann auch nach." Erst vor kurzem wurden wieder acht verwahrloste Hunde aus einer verdreckten Wohnung in Sulzbach-Rosenberg geholt. Fünf davon konnten von Ingrid und ihren Kollegen bereits in ein gutes Zuhause vermittelt werden.

"Deswegen mache ich das alles wohl", sagt Ingrid lachend und lässt sich erschöpft auf ihren Schreibtischstuhl fallen. "Wenn ich sehe, dass Tiere, die es bisher alles andere als gut hatten, nun ein tolles Leben führen können, in ihrem neuen Zuhause angekommen sind, das ist jedes Mal wieder wunderbar!" Evi Wagner (Die Reportage ist der Juli-Ausgabe des Stadtmagazins LEO Amberg entnommen).


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