01.08.2017  | Netzcode: 5321771
Tirschenreuth

Mal die Welt von oben sehen

Segelfliegen: Flugplatzfest bot erste Einblicke

Der vereinseigene Motorsegler wartet auf die
Der vereinseigene Motorsegler wartet auf die nächsten Fluggäste. Bild: Harald Mohr
Wer hoch in die Wolken will, muss am Boden anfangen. Die ideale Gelegenheit dafür bot am Wochenende das Flugplatzfest des Segelflugclubs Stiftland. Da konnte man sich einfach nur gemütlich zusammensetzen, aber auch einmal mit einem Motorsegler oder einem Ultraleichtflugzeug abheben.

Vorsitzender Roger Stich erklärte der OWZ, was es mit dem Segelflug auf sich hat. Dass es mit enormen Kosten verbunden sei, sei ein Gerücht. Richtig teuer werde es erst beim Motorfliegen, aber das bietet der Verein erst gar nicht an. Wer also mal am Wochenende in seine Cessna steigen und ans Mittelmeer fliegen will, der ist hier fehl am Platz. Der Segelflugclub ist eher ein bürgerlicher Verein. „Beim Segelfliegen steht der Team-Charakter im Vordergrund.“
Roger Stich ist der Vorsitzende des
Roger Stich ist der Vorsitzende des Segelflugclubs Stiftland e.V. Bild: Harald Mohr


Und zwar deswegen, weil unter anderem für den Betrieb der Seilwinde Unterstützer nötig sind. „Man braucht drei bis vier Helfer, damit einer fliegen kann.“ Ein weiterer Unterschied: Segelfliegen ist ein reiner Sport und hat keine Transportaufgabe. „Mit dem Segelflieger muss man dahin fliegen, wo das Wetter passt.“ 600 bis 800 Kilometer sind drin, aber man weiß halt nie, wo man am Ende rauskommt. Ganz anders beim Motorfliegen, das Spötter schon mal „Autofahren einen Stock höher“ nennen.

Fliegen muss man bei beiden Arten natürlich können, denn in jedem Fall gilt: Im Flugzeug kann man nicht einfach rechts ranfahren. Am schwierigsten sind Start und Landung. Deshalb üben Anfänger zuerst den Start und nach einer „Platzrunde“ gleich die Landung. Das ist beim Segelfliegen gar nicht mal so teuer, wie man vielleicht meint. Mit 350 Euro schlägt der Mitgliedsbeitrag im Jahr zu Buche, dafür kann man dann fast umsonst das Fliegen lernen.
Auch mit dem Gyrokopter konnten sich die Besucher
Auch mit dem Gyrokopter konnten sich die Besucher das Stiftland von oben betrachten. Bild: Harald Mohr


Vier Euro beträgt die Startgebühr, darin sind schon zehn Minuten Platzrunde bei der Ausbildung inbegriffen. Jede weitere Flugminute kostet dann zehn Cent. Die Ausbildung übernehmen ehrenamtlich Vereinskameraden, im Gegensatz zu einer Flugschule. Allerdings findet die Ausbildung im Verein nur an den Wochenenden statt.

Wer das Hobby ernst nimmt, sollte an jedem Sommer-Wochenende bei schönem Wetter auf dem Flugplatz sein. Dann schafft er den Segelfliegerschein in etwa zwei Jahren, wenn er drei bis vier Starts und Landungen an jedem möglichen Tag macht.
Dank des riesigen Flugzeughangars wäre auch Regen
Dank des riesigen Flugzeughangars wäre auch Regen kein Problem gewesen. Bild: Harald Mohr


Auch später wird aktive Mitarbeit erwartet, denn es braucht beim Segelfliegen immer ein paar Leute, damit einer fliegen kann. „Man muss Zeit mitbringen“, sagt auch Roger Stich. Deshalb hat der Verein auch „nur“ 36 aktive Mitglieder, aber gut 60 insgesamt. Die Aktiven bringen an den Wochenende die ganze Familie mit, das ganze Leben spielt sich dann auf dem Flugplatz statt.

Einsteigen in den Alleinflug kann man schon mit 14 Jahren. Wer von der Fliegerei begeistert ist, hat dann den optimalen Einstieg ins Berufsleben als Pilot. „Die meisten Berufspiloten haben mit dem Segelfliegen angefangen.“ Auch wenn es keiner so aussprechen würde: Nur im Segelflieger lernt man das Fliegen „richtig“, ist man eins mit dem Flugzeug und der Luft. Denn während einen der Motorflieger durch die Luft zieht, muss der Segelflieger sich von der Thermik treiben lassen. Harald Mohr

In den Himmel über Tirschenreuth abheben konnte
In den Himmel über Tirschenreuth abheben konnte man am Wochenende beim Segelflugfest. Bild: Harald Mohr

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