04.10.2017  | Netzcode: 5367053
WEIDEN

Mensch, Franziskus

"D'lustigen Konrader" inszenieren das Leben des Heiligen Franz von Assisi - Autor Hans Hofmann führt Regie

Die Kirche St. Konrad am Hammerweg ist beinahe leer. Ein junges Paar sitzt in der vordersten Reihe, anscheinend betend. Andächtige Orgelmusik erklingt von der Empore. Die beiden stehen auf, zünden eine Kerze am Opferstock an und verlassen das Gotteshaus.

Noch ist es kaum vorstellbar, dass hier in nur wenigen Augenblicken ein über 100- köpfiges Theaterensemble eine der letzten Proben vor der Premiere absolvieren wird. "D'lustigen Konrader" stecken mittendrin in den Endproben für ihr Stück "Franziskus - der Suchende, der Besessene, der Liebende und Bruder Immerfroh". Im Zentrum steht das Leben des Heiligen Franz von Assisi von der Taufe bis zum Tod.

Geschrieben hat das Stück Vereinsgründer und Ehrenmitglied Hans Hofmann. Er zeichnet auch für die Inszenierung verantwortlich. Auslöser war die Wahl des Papstes Franziskus im Jahr 2013. "Damals dachte ich mir: Irgendetwas muss es dann ja mit diesem Franziskus von Assisi auf sich gehabt haben", erklärt Hofmann. Vor zwei Jahren fing er an, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Während eines Klinikaufenthalts in Dresden brachte er seine Gedanken zu Papier. "Ich hab' gar nicht gedacht, dass das so interessant wird." Das umfassende Stück Hofmanns beruht unter anderem auf der "Legende der drei Weggefährten" aus dem 13. Jahrhundert, Briefen des Franziskus, festgehalten vom katholischen Theologen und Kirchenhistoriker Helmut Feld in "Franziskus von Assisi" und dem Roman "Mein Franz von Assisi" des griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis. In 20 Szenen bringen die "Lustigen Konrader" den Lebenslauf des Heiligen auf die Bühne.

Langsam füllt sich die Konradskirche. Die Geräuschkulisse wird lauter. Die sakrale Atmosphäre verflüchtigt sich. Die Spieler unterhalten sich, schlüpfen in ihre Kostüme. Bereits im November 2016 hatte Hofmann zur ersten Leseprobe eingeladen. Im Sommer fingen die "Lustigen Konrader" mit den Szenenproben an. In der Zwischenzeit bekam jeder die "Hausaufgabe", den Text zu lernen. Betonung und Rollenentwicklung erarbeiteten die Darsteller in Einzelproben. Die zusammengefügten Szenen probte das Ensemble an der Originalspielstätte, der Pfarrkirche St. Konrad. "Oftmals waren das nur bessere Leseproben", verrät der Regisseur.

Die eine oder andere Absage erschwerte die Arbeit zusätzlich. Alleine die Rolle des Franziskus musste mehrmals umbesetzt werden. Maximilian Hegner studiert "Theater und Medien" an der Universität Bayreuth und gelangte zur Hauptrolle wie die Jungfrau zum Kinde: "Mitte August kam eine Mail: Hallo Max, magst Du beim Franziskus die Hauptrolle spielen?"

Selbstverständlich sagte der 21-Jährige zu. Er stand schon öfter bei den "Lustigen Konradern" auf der Bühne. Die Inspiration für sein Spiel bezieht er aus seinem eigenen Leben und aus bereits dargestellten Charakteren. Das helfe ihm dabei, den Heiligen nicht zu sehr zu glorifizieren.

In Nebenräumen werden noch schnell ein paar Einzelszenen durchgesprochen, der Chor singt sich ein. Die Akteure erhalten Headsets. Fragen zu Requisiten und Kostümteilen, die die "Lustigen Konrader" teilweise selbst zusammensammeln, teilweise aus ihrem Fundus haben, werden mit dem Regisseur abgesprochen. Zum großen Teil handelt es sich um Gewänder, die sich keiner bestimmten Epoche zuordnen lassen.

Darauf komme es auch gar nicht an, erklärt Heiner Balk, Vorsitzender des Theatervereins. "Es geht uns um den Inhalt des Stückes. Wir wollen zeigen, wie Franziskus war, wie er gelebt hat." Ein einfaches Spiel über einfache Leute.

Ein paar Originale befinden sich aber doch unter der Masse der Bühnenbekleidungen: Die "Minderen Brüder" rund um Franziskus tragen Habite der Kapuziner, eine Leihgabe des Ordens aus Altötting. Auch eine Schwesterntracht der "Armen Schulschwestern" erhielten die "Lustigen Konrader" für ihre drei Aufführungen.

Vom Bühnenbild ist im Moment noch nichts zu sehen. Auf der letzten Stufe vor dem Altar wird für die Vorstellungen ein Podest errichtet. "Damit auch die ganz hinten was sehen können", sagt Hofmann. Wie die Kostüme ist auch die Kulisse minimalistisch gehalten. So ist zum Beispiel die Höhle des Franziskus zu sehen. Sie kam schon im Jahr 2005 als Grotte in der "Bernadette" zum Einsatz.

Jetzt wird es ernst. Der Regisseur gibt letzte Anweisungen. "San mer soweit? Probier mer's!", schallt es durch den Kirchenraum. Es kehrt Ruhe ein. Der Chor beginnt sein erstes Lied: "Wir alle wollen Brückenbauer sein" und "Wir alle wollen Friedensstifter sein" stimmen die Sängerinnen und Sänger die Zeilen aus Siegfried Fietz und Hermann Schulze-Berndts Franziskus-Musical an.

Die erste Hälfte des Stückes von Hofmann erzählt vor allem von der unbeschwerten Jugend des Franziskus', den Kreuzzügen, dem Weg zu Gott und seine Wahl der "Braut Armut". Gerade als Maximilian Hegner als Franziskus die Worte "Ich bin frei geworden, weil ich einzig und allein der Diener des höchsten Gottes bin" spricht, ertönen bei der Probe die Kirchenglocken. Ein Gänsehautmoment.

Die zweite Hälfte beschäftigt sich mit wichtigen Stationen im Leben des Heiligen wie die Reise nach Rom, die Vogelpredigt, den Empfang der Wundmale und seinen Tod. Das Stück lehrt den Zuschauer, "dass man nie aufgeben soll, dann kommt man immer wieder auf die Beine", fasst Hofmann zusammen. "Und mit Humor - das ist nicht nur ein Sprichwort - mit Humor geht alles besser."

Der Feinschliff erfordert Konzentration und Disziplin. Einige Szenen werden mehrmals wiederholt, bis Regisseur und Autor Hans Hofmann zufrieden ist. Das Ensemble hat die Geistlichkeit auf seiner Seite: Dekan Johannes Lukas, zugleich Pfarrer der Kirche St. Konrad, ist in drei Rollen zu sehen: als Taufpriester des Franziskus, Papst Innozenz III. und Bruder Barbaro. Auch Pfarrvikar Pater Mejo Jose aus Indien ist mit am Start. Er verkörpert Sultan Al-Kamil - in seiner Muttersprache, ein Dolmetscher wird übersetzen. "Das ist eine große Chance für mich. Als ich hier herkam, wurde ich gleich gefragt, ob ich mitspielen möchte", sagt Jose.

Der christliche Stoff passt perfekt in die Kirche, wie auch schon das große Bruder-Konrad-Spiel und Hofmanns bisheriges Lieblingsstück "Bernadette". Für die zweite Vorstellung am Samstag, 7. Oktober, hat sich sogar der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer angekündigt. Die Heilige Messe wird an diesem Tag eine Stunde vorverlegt, um den reibungslosen Ablauf des Theaters zu garantieren.

Nach der Probe leert sich der Kirchenraum so langsam wieder, wie er sich gefüllt hat. Die Stille kehrt zurück - bis zum nächsten Einsatz der "Lustigen Konrader". Mona-Isabelle Peter


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