11.10.2017  | Netzcode: 5372733
FLOSS

Von Juli Zeh bis Theodor Fontane

Frauenliteraturkreis Floß verschlingt ein Buch ums andere

Während die einen Mitglieder des Literaturkreises
Während die einen Mitglieder des Literaturkreises noch über das gerade gelesene Buch diskutieren, schmökern die anderen Damen schon im nächsten Wälzer. Bild: Elisabeth Saller
Mit "Bruder Feuer" fing alles an. In über 25 Jahren haben die Mitglieder des Frauenliteraturkreises Floß 200 bis 250 Bücher gelesen. Ganz genau weiß es keine, wie lange es die Gruppe in Floß schon gibt. Die Damen müssen per WhatsApp Doris Kirschner fragen. Sie hat den Frauenliteraturkreis mit Gunthild Schroeter gegründet - und weiß die Antwort: Am 7. November 1991 war das erste Treffen in der Gemeindebücherei.

Alle vier bis fünf Wochen kommen einige Frauen in einem Flosser Lokal zusammen, um ein Buch zu besprechen. Dafür fahren sie auch aus Altenstadt/WN oder Pleystein an. An diesem Abend sitzen neun Damen um einen Tisch. Vor den meisten liegt "Die Schuld der anderen“ von Gila Lustiger als Druckversion. Nur Gabriele Grünwald hält einen E-Book-Reader in der Hand. Viele haben das Buch schon zu Ende gelesen, ein paar sind noch nicht fertig. Jede sagt, was ihr gefallen, welche Figur sie beeindruckt hat. „Insgesamt ist es gut geschrieben“, meint Irmgard Güntner. An einer Stelle habe sie aber ein paar Seiten übersprungen, gibt sie zu.

„Wir haben unterschiedliche Leseinteressen“, erklärt Sabine Müller. Die eine liebt Historienromane, die andere hat ein Faible für Krimis. Selten schafft es ein Sachbuch ins Programm des Kreises. Den meisten Frauen hat „Die Schuld der anderen“ gefallen, sie loben Inge Werner, die das Buch beim Treffen der Gruppe vorgeschlagen hatte. Die Frauen lieben das Lesen. Aber: „Wir sind alle keine studierten Germanisten oder Literaten“, stellt Sabine Müller klar. Die Mitglieder sind ständig auf der Suche nach Büchern, die sie vorschlagen können.

Anregungen finden sie in Zeitungen und Zeitschriften. Inge Werner sieht sich den „Literaturclub“ auf 3sat an, Sabine Müller schmökert im Gutenberg-Katalog. „Nicht immer ist das, was den Kritikern gefällt, was für uns“, erläutert die Flosserin.
Qual der Wahl: Manchmal bringen die Damen vom
Qual der Wahl: Manchmal bringen die Damen vom Literaturkreis so viele neue Bücher mit, dass sie sich nur schwer entscheiden können, welches als nächstes dran ist.


„Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera kam gar nicht gut bei den Frauen an. „Wer den Wind sät“ und „Altes Land“ dagegen schon. Und nicht immer seien sie vom neuen Wälzer eines erfolgreichen Autors begeistert. Selten fehlt Inspiration und es fällt den Damen nicht ein, was sie als nächstes lesen könnten. An diesem Abend besteht keine Gefahr: An einer Ecke des Tischs diskutieren drei, ob sie demnächst „Unterleuten“ von Juli Zeh besprechen wollen. Gudrun Nachbauer recherchiert mit ihrem Smartphone, ob es das schon als Taschenbuch gibt. Aus Preisgründen warten die Damen meist auf diese Ausgabe.

Was gelesen wird, bestimme die Mehrheit, erklärt Gudrun Nachbauer. Die Mitglieder konzentrieren sich jedoch nicht auf Neuerscheinungen. Auch Fontanes „Effi Briest“ von 1894 verschlingen die Frauen mal.

Der Frauenliteraturkreis ist eine offene Gruppe. Erst seit ein paar Jahren ist Irmgard Güntner dabei. Sie stand einmal ratlos in einer Buchhandlung und wusste nicht, was sie kaufen soll. Da kam Irene Grünwald auf sie zu und sagte: „Siehst, so ist’s mir auch gegangen.“ Also brachte Irene Grünwald Irmgard Günter mit zum Literaturkreis.

Auch im Ort wird über die Lektüre der Frauen gesprochen. Sabine Müller weiß: „Es gibt auch Leute, die nicht zum Frauenliteraturkreis kommen, aber trotzdem unsere Bücher mitlesen.“ Elisabeth Saller

Belesene Damen: In vier bis fünf Wochen schaffen
Belesene Damen: In vier bis fünf Wochen schaffen sie ein Buch. In über 25 Jahren haben die Mitglieder des Flosser Frauenliteraturkreises 200 bis 250 Schmöker verschlungen und kritisiert. Bilder: Elisabeth Saller




Literaturkreise


Der Frauenliteraturkreis Floß ist offen für Interessierte. Sein nächstes Treffen ist am Montag, 6. November, um 19 Uhr im Gasthaus „Gogerer“. Dabei geht es um das Buch „Der amerikanische Architekt“ von Amy Waldman.

Kontakt für Interessierte: Gudrun Nachbauer, Telefon 09603/2151.

In Weiden gibt es am Maria-Seltmann-Haus zwei ähnliche Angebote, die sich auch an Männer richten. Mehr Informationen gibt es im Internet auf http://www.maria-seltmann-haus.de/veranstaltungen.php (esa)


Lesetipps


„Es gibt selten ein Buch, bei dem wir einer Meinung sind“, sagt Sabine Müller vom Frauenliteraturkreis Floß. Bei ein paar Büchern sind sich die Damen aber doch einig:

„Wen die Nachtigall stört“ von Harper Lee

„Altes Land“ von Dörte Hansen

„Die Gierigen“ von Karine Tuil

„Gestorben wird immer“ von Alexandra Fröhlich (esa)

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