10.11.2017  | Netzcode: 5406543
Schwandorf

OWZ am Wochenende: Schöpf-Geschichte

Stadtmuseum Schwandorf zeigt Ausstellung über Suppen und Terrinen

Solche Suppenschüsseln standen früher auf jedem
Solche Suppenschüsseln standen früher auf jedem Mittagstisch. Bild: Harald Mohr
Die Zeiten, in denen die Bauernfamilie aus einer riesigen Suppenterrine gemeinsam ihre Suppe schlürfte, sind längst vorbei. Auch als obligatorische Vorspeise am Tisch des Bürgertums oder als Krankenkost hat die Suppe ausgedient und verdient sich ihr Gnadenbrot als schnelle Mahlzeit für zwischendurch. Die Ausstellung „Aufgekocht und fein serviert“ im Stadtmuseum Schwandorf soll jetzt an die Geschichte der Suppe und des zugehörigen Geschirrs erinnern.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Sammlung von Suppenterrinen von Margit und Friedrich Graf aus Riedenburg. „Mein Mann und ich sind leidenschaftliche Flohmarktgänger“, beschreibt Margit Graf den Beginn ihrer Sammlung. Vor etwa 30 Jahren haben Bekannte ihr die erste Suppenschüssel geschenkt, daraus wurde inzwischen eine riesige Sammlung von rund 150 Suppenschüsseln, von denen jetzt 120 in der Ausstellung zu sehen sind.

Dass in der Wohnung der Grafs jeder Winkel mit Suppenschüsseln vollgestellt ist, kann man sich vorstellen. „Leidenschaft ist auch Leiden.“ Zu besonderen Anlässen kommen die Schüsseln bei ihr noch zum Einsatz. Margit Graf bedauert: „Die jungen Frauen haben fast keine Suppenschüsseln mehr.“ Zur Vorstellung der Ausstellung gab es von Museumsmitarbeiterin Heidi Staudacher selbst gekochte Tomatensuppe.
Die Sammler Friedrich Graf (von links) und Margit
Die Sammler Friedrich Graf (von links) und Margit Graf lassen sich zusammen mit Oberbürgermeister Andreas Feller, Museumsmitarbeiterin Heidi Staudacher und Museumsleiterin Eva Maria Keil die Suppe schmecken. Bild: Harald Mohr


Auch Museumsleiterin Eva Maria Keil ist sich des musealen Wertes der profanen Suppenschüsseln bewusst. Richtig im Einsatz gewesen seien sie nur vom Mittelalter aufwärts bis in die 1980er bis 1990er Jahre gewesen. „Wann ist einem das letzte Mal eine Suppe aus der Terrine serviert worden?“ Die Blütezeit der Suppe sei die Spätrenaissance und der Barock gewesen.

Schon vor 6000 Jahren habe man in Mesopotamien die ersten Suppen gekocht, seit 5000 Jahren sei die Suppe in Europa üblich. „Diese frühen Suppen reicherte man oftmals mit Brot, Fladen oder Klößchen an.“ Was die Suppen zu vollwertigen Gerichten machte.
Der Maggi-Würfel setzte sich schnell durch.
Der Maggi-Würfel setzte sich schnell durch. Bild: Harald Mohr


Noch im Mittelalter hatten in Europa „dicke Suppen und Muse neben Wein und Milch oftmals die Funktion des warmen Frühstücks“. Die Suppe war auch damals noch möglichst dickflüssig. „Erst in der Renaissance traten modernere Formen der Suppe auf. Grundsubstanz war jetzt oft eine Fleischbrühe, die mit Eiern, Mandelbrei oder Brotkrumen verdickt wurde.“ Im Museum zu sehen sind aber auch Rezepte für eine Frosch- oder eine Schneckensuppe. Man wollte es eben herzhaft damals.

Die Stellung der Suppe war jetzt aber umstritten. Zeitweilig als Delikatesse am Hofe betrachtet, wurde die Suppe mit der Aufklärung im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert wieder als einfaches Grundnahrungsmittel für die Ernährung der gesamten Bevölkerung betrachtet. Graf Rumford (1753 bis 1814) erfand 1795 zur sparsamen Massenversorgung von Soldaten, Bettlern und Arbeitslosen einen neuartigen Eintopf, welcher nach ihm „Rumfordsuppe“ genannt wurde. In seiner ursprünglichen Form bestand er aus gekochten Graupen und getrockneten Erbsen.
Jetzt geht's ins Detail: Die Suppenschüssel
Jetzt geht's ins Detail: Die Suppenschüssel (Bild) hat eine Auskerbung für den Suppenlöffel, die Terrine für Ragoutgerichte dagegen nicht. Bild: Harald Mohr


Richtig gesellschaftsfähig wurde die Suppe erst wieder, als sie möglichst wenig Zutaten enthielt und damit dünner wurde, so dass auch die Hauptmahlzeit noch schmeckte. Gleichzeitig kam man auf die Idee, sich das umständliche Auskochen von Fleisch für die Brühe zu sparen. Im Zuge der Industrialisierung hatten die Frauen immer weniger Zeit für Kochen.

Da kam die Erfindung des Fleischextrakts durch Justus von Liebig in der Mitte des 19. Jahrhunderts gerade recht. 1867 kam die Erbswurst von Johann Heinrich Grüneberg dazu, ab 1909 der Brühwürfel von Maggi, der erstmals Pflanzeneiweiß statt Fleischextrakt enthielt und sich gegenüber den teureren „Liebig-Würfeln“ bis heute durchsetzen konnte.
Die Geschichte vom "Suppen-Kaspar" (aus
Die Geschichte vom "Suppen-Kaspar" (aus "Struwwelpeter", Heinrich Hoffmann, 1845) sollte die Kinder zum Suppe essen veranlassen. Bild: Harald Mohr


Das Stadtmuseum Schwandorf (Rathausstraße 1) hat mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 09431/ 41553). Die Ausstellung ist noch bis 18. Februar 2018 zu sehen. Harald Mohr


120 Suppenterrinen stellt das Stadtmuseum
120 Suppenterrinen stellt das Stadtmuseum Schwandorf derzeit aus. Bild: Harald Mohr

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