24.11.2017  | Netzcode: 5423085
Erbendorf

OWZ am Wochenende: Mit Emotionen spielen lernen

Amateurschauspieler Ralf Legat: "Muss auf der Bühne richtig fühlen"

Ralf Legat (links) als Holger Voglbauer in der
Ralf Legat (links) als Holger Voglbauer in der Inszenierung "Ladies Night" des Landestheaters Oberpfalz. Bild: Jochen Schwab/LTO
Das Saallicht erlischt. Der Vorhang hebt sich. Die Vorstellung beginnt. Liebe, Herzschmerz, Dramen ereignen sich vor den Augen der Zuschauer. Ehrlich soll es sein. Schauspieler kontrollieren ihre Gefühle auf der Bühne, stellen sie so dar, dass der Zuschauer sie ihnen abnimmt. Nicht immer klappt das. Übertreibung macht die Darstellung unglaubwürdig. Doch auch als Amateurschauspieler kann man lernen, realistisch zu spielen. Dabei hilft nicht nur Routine, sondern auch die Fortbildung der Amateurtheaterverbände.

Ralf Legat, Amateurschauspieler aus Erbendorf, nimmt das Angebot gerne wahr. „Ich besuche die Kurse, weil ich bisher noch nicht dahin gelangt bin, wo ich hin will“, erzählt er. Über Engagements in Kurzfilmen und Komparsenrollen in Kinoproduktionen wie „Sams im Glück“ und „Rubinrot“ ist er zum Theater gekommen. Er wirkte unter anderem beim Landestheater Oberpfalz (LTO) in „Der eingebildete Kranke“ und „Ladies Night“ mit.

Gefühle zu definieren ist schwer. Grundemotionen sind Wut, Überraschung, Freude, Furcht, Ekel, Scham, Trauer, Interesse, Akzeptanz und Erwartung. Sie drücken sich in typischer Mimik und körperlichen Reaktionen aus, derer sich Schauspieler bedienen können. „Mein wichtigstes Anliegen“, erklärt der Schweizer Profischauspieler und Referent des Workshops, Ruedi Widtmann, „ist es, Brücken zu bauen zwischen den Gefühlen, die jeder Einzelne in sich trägt, und dem für den Zuschauer Sichtbaren. Beim Spielen kann ich abrufen, wie es ist, wenn ich zum Beispiel traurig bin.“
Ralf Legat (links) bei der Rollenarbeit während
Ralf Legat (links) bei der Rollenarbeit während eines Schauspiellehrgangs mit zwei anderen Kursteilnehmern. Bild: hfz


Klappt das nicht, hilft der Regisseur dabei, Bilder im Kopf der Spieler zu erschaffen. Die größten Vorbilder für Widtmann sind Kinder. Wenn sie spielen, seien sie immer mit vollem Ernst bei der Sache. Auch beim Schauspiel sei es wichtig, dieses ernst zu nehmen und die selbst gewählten Regeln einzuhalten. Sowohl Trauriges als auch Lustiges müsse mit Ernst behaftet sein, nur dann funktioniere es auch.

„Beim Theater muss man größer spielen als im Film, manchmal sogar ganz groß“, sagt Ralf Legat vor seiner Teilnahme an einem Workshop zum Thema „Rollenfindung“. „Weniger ist mehr“, ist dagegen der zentrale Satz, den Referent Vaclav Spirit seinen Schülern mitgibt. „Das hat mich wirklich geschockt“, gibt Legat zu. In dem Workshop lernen die Teilnehmer, den Text nicht durch überzeichnete Gestik und Mimik zusätzlich zu illustrieren.

„Übertriebene Aktionen lenken zu sehr die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich. Dadurch geht das Wesentliche der Handlung oft verloren“, erklärt Spirit. Durch Beobachtung, genaues Wahrnehmen der Umwelt und eigene Erfahrungen sollen die Schauspieler in der Lage sein, „ihre innere Stimme sprechen zu lassen“. „Als Schauspieler sollte ich die Gefühle nicht spielen“, erklärt Spirit. „Ein Schauspieler sollte handeln, dann kommen die Gefühle von selbst. Er handelt auch, wenn er steht und schweigt.“
Der Profischauspieler und Workshop-Referent Ruedi
Der Profischauspieler und Workshop-Referent Ruedi Widtmann gibt einen Begriff vor. Die Amateurschauspieler müssen die Situationen improvisatorisch darstellen. Bild: Mona-Isabelle Peter


Einen allgemeingültigen Weg zur Rollenfindung gibt es nicht. Jeder Schauspieler hat seine eigene Philosophie. Legat orientiert sich bei der Rollenvorbereitung an Vorbildern wie Bruce Willis. Der Hollywood-Star spielte die Rolle eines humpelnden Polizisten im Film „16 Blocks“ mit Kieselsteinen im Schuh. Im Stück „Ladies Night“ – angelehnt an den Film „Ganz oder gar nicht“ – spielte Legat 2015 einen Arbeitslosen mit leichtem Gehfehler. Also wickelte er sich eine Bandage fest ums Knie, um das Bein steifer wirken zu lassen. „Ich muss auf der Bühne wirklich fühlen. Das ist existenziell für mich.“ Eine Grundregel des Schauspiels ist: Nur wenn die Gefühle aus dem Innersten der menschlichen Seele sprechen, zieht der Schauspieler Zuschauer und -hörer in seinen Bann. Fühlt der Schauspieler nichts, merkt das das Publikum.

Wenn sich Legat eine Übersicht über den Stoff verschafft hat, macht er sich mit seiner Figur und der Handlung vertraut. Dabei achtet er vor allem auf die Entwicklung der Figur. Beim Text lernen und üben schöpft er immer wieder aus seinen persönlichen Erfahrungen.
Dieser Kursteilnehmer stellt gerade einen
Dieser Kursteilnehmer stellt gerade einen typischen Macho dar. Bild: Mona-Isabelle Peter


Allerdings sei es falsch, anzunehmen, dass der Schauspieler das, was er auf die Bühne bringt, immer selbst erlebt haben muss. Er muss sich nicht betrinken, um einen Betrunkenen zu spielen. Oder jemanden umbringen, um einen Mörder zu mimen. Das wäre dann doch etwas übertrieben. Mona-Isabelle Peter

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