07.02.2018  | Netzcode: 5500061
ESCHENBACH

Museum mit (Zoigl-)Stern

Kulturzentrum "Beim Taubnschuster" runderneuert

Eine Sammlung historischer Zoigl-Sterne empfängt
Eine Sammlung historischer Zoigl-Sterne empfängt den Besucher des Museums "Beim Taubnschuster". Archivbild: exb
Zoigl-Fans müssen sich wie im Himmel fühlen: Im Kulturzentrum "Beim Taubnschuster" gibt eine Sammlung historischer Ausschankzeichen an der Decke einen Eindruck von der Bedeutung der lokalen Kommunbrau-Tradition. Wer nach dem Besuch der Dauerausstellungen zu Brauwesen und Stadtgeschichte Durst bekommt, kann diesen - an Ausschank-Tagen - in den beiden "Taubnschuster-Stuben" im Erdgeschoss stillen - in einem stimmungsvollen Gewölbe in dem früher die Pferde und Rinder des Hofes standen. Jetzt ist es möbliert mit Antiquitäten aus der Heimat.

Bereits seit über 20 Jahren werden in der Wassergasse 21 Ausstellungen zu Geschichte und Kunst, Musikabende und Autorenlesungen sowie Weihnachtsmärkte veranstaltet. Nach Sanierung und Ausbau durch die Stadt bietet das Anwesen "Beim Taubnschuster. Museum - Kulturhof - Zoigl" seit vergangenem Jahr noch mehr Möglichkeiten. Der Heimatverein entwarf das Konzept für das Museum.

Im ersten Stock des alten Ackerbürgerhauses wurden im vergangenen Jahr Dauerausstellungen zu Stadtgeschichte und Kommunbrauwesen eingerichtet. Gezeigt wird unter anderem die Stadterhebungsurkunde von Kaiser Karl IV. aus dem Jahre 1358, die das Recht einer Bannmeile beschreibt, die Eschenbacher Bierbrauer, Gastwirte und Handwerker vor der Konkurrenz aus umliegenden Orten schützte. Stadtentwicklung, Stadtbild und Architektur typischer Ackerbürgerhäuser können anschaulich anhand eines detailgetreuen Stadtmodells nach dem Urkataster-Plan von 1839 studiert werden. Die fast 200 Häuser (und 400 Nebengebäude) des Modells sind digital vernetzt mit einem Computerprogramm, das den Besucher über die Hausgeschichten der vergangenen 400 Jahre sowie über die verheerenden Stadtbrände des 19. Jahrhunderts informiert.
Lokales Brauwesen und Stadtgeschichte
Lokales Brauwesen und Stadtgeschichte dokumentiert das Kulturzentrum "Beim Taubnschuster" in zwei neuen Dauerausstellungen. Bild: exb


Weitere Themen der Abteilung Stadtgeschichte sind die ungelöste Frage nach der Herkunft des Minnesängers Wolfram von Eschenbach, die Kirchengeschichte der Stadt, Eschenbach als landesherrlicher Verwaltungssitz und die Tradition der alten Hausnamen. Sie werden an einer Audio-Station in einem Mundartgedicht des Heimatdichters Franz Streit hörbar.

Die Ausstellung zur Brau-Geschichte zeigt im ersten Obergeschoss Utensilien, historische Fotos und Filme von der Eschenbacher Bierherstellung, aufgenommen an Originalschauplätzen. Dazu kommen eine wertvolle Sammlung alter Bierkrüge, Flaschen und Fässer sowie eine Sonderschau über Zinngießerwerkzeug und Schmuckdeckel für Bierkrüge. Ein historischer Brauwagen und eine Präsentation zum Binner-Handwerk erwartet den Besucher in der ehemaligen Wagenremise im Hof.

Für seine wachsenden heimatkundlichen Sammlungen hat der Heimatverein nun über dieser Wagenremise wohltemperierte Räume und gute Aufbewahrungsmöglichkeiten.
Die Bestände umfassen auch landwirtschaftliche Geräte und Hausrat aus dem alten Ackerbürgerhaus, Werke heimischer Künstler, Handwerkszeug, alte Fotografien, Heiligenbilder, Haussegen, Kästen und Truhen.

Die jährlichen historischen Ausstellungen beschäftigten sich zwischen 1995 und 2014 unter anderem mit „Hopfenblöih und Zoiglstern“, dem Leben der Frauen in der nördlichen Oberpfalz, mit der Geschichte der Eschenbacher Weber und Tuchmacher, der Lokalbahn „Bockl“, Marienwallfahrten und dem Ersten Weltkrieg. Auch Kunstausstellungen gehörten von Anfang an zum Konzept des Kulturzentrums. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung heimischer Künstler. So wurden die Werke der in Eschenbach lebenden akademischen Malerin Füsun Canay-Püschl und ihres Kunstkreises wiederholt präsentiert.

Eine besondere Beziehung zum „Taubnschuster“-Haus war einer der Gründe für den Heimatverein, den vielseitigen Eschenbacher Bildhauer, Maler und Lebenskünstler Max Gradl wiederholt zu würdigen. Er kam 1926 im Nachbarhaus „Beermaxn“ zur Welt. Seine Mutter stammte aus der Taubnschuster-Familie.

Ganz unterschiedliche Stilrichtungen sind bei den musikalischen Sommerabenden im Hof vertreten. Vom Volksmusikanten-Treffen, über Rock und Pop bis hin zum Jazz mit Dixieland oder Big-Band-Sound ist alles vertreten, was die Region an Interpreten hervorbringt. Für die Wintermonate hat der neue heizbare Saal im Stadelbereich jetzt auch Platz für kleine Konzerte.
In dem stimmungsvollen Gewölbe, in dem früher die
In dem stimmungsvollen Gewölbe, in dem früher die Pferde und Rinder des Hofes standen, schenkt der Heimatverein Zoiglbier aus. Archivbild: exb


Die beiden „Taubnschuster-Stuben“ im Erdgeschoss bieten einen authentischen Rahmen für alte Zoigl-Tradition. Hier serviert der Heimatverein Eschenbach seinen Gästen mehrmals im Jahreslauf original Zoiglbier und typische Zoigl-Brotzeiten wie „Bauernseufzer“ in Kraut.

Das neugestaltete Museum „Beim Taubnschuster“ ist mittwochs von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Heimatvereins auf www.heimatverein-eschenbach.de . (exb/nd)




Hopfengarten



Hinter der historischen Stadtmauer im Stadelbereich öffnet sich eine Tür in das Gartenreich „Beim Taubnschuster“. Ein liebevoll angelegter und gepflegter Garten um eine mächtige, über 100 Jahre alte Eiche bietet Entspannung nach viel Geschichte und Kultur im Ackerbürgerhaus. Ein Heilkräutergarten mit Hinweisen zur Pflanzenart und ihrer medizinischen Verwendung ist schön und lehrreich zugleich. Ruhebänke laden zum Verweilen ein. Im Hofbereich rankt sich eine Hopfenanpflanzung nach alter Art an Stangen in die Höhe.

Beim Hopfenzupfer-Fest im September wird die Ernte an Hopfenzapfen eingebracht und dazu eine Brotzeit und eine frische Halbe angeboten. (exb)


Historie



Bis in das 17. Jahrhundert kann man die Geschichte des Taubnschuster-Anwesens in der Wassergasse zurückverfolgen. Zimmerer, Schreiner und Leinweber, die außerdem noch Landwirtschaft betrieben, wohnten im 18. und 19. Jahrhundert in diesem typischen „Ackerbürgerhaus“.

Nach dem großen Stadtbrand von 1868 kaufte der Schuster und Landwirt Johann Wolfinger den ruinierten Besitz und baute ihn wieder auf. Er brachte auch den Hausnamen „Taubnschuster“ mit. Bis 1988 bewirtschaftete die Familie den Hof. Letzter Bauer war Max Wolfinger, der Enkel des alten „Taubnschusters“.

1994 mietete der Heimatverein Eschenbach das Taubnschuster-Anwesen von der Familie Haberberger/Habith. 2015 erwarb die Stadt Eschenbach das historische Ensemble. (exb)


Konzertprogramm beim "Taubnschuster"



Sie bringen eine wilde Mixtur aus Jazz, Blues, Volksmusik, Hip-Hop, Country mit einem Schuss Tango, gepaart mit der Liebe zum Dialekt: die „Original Bauernsfünfer“. Sie geben am Samstag, 3. März, um 20 Uhr ein Konzert im neuen Saal des Kulturzentrums „Beim Taubnschuster“. Der Eintritt kostet zwölf Euro. Karten gibt es in Eschenbach in der Stadt-Apotheke und „Beim Taubnschuster“.
Die "Original Bauernsfünfer" geben am Samstag, 3.
Die "Original Bauernsfünfer" geben am Samstag, 3. März, um 20 Uhr ein Konzert im neuen Saal des Kulturzentrums "Beim Taubnschuster". Bild: exb


Am Freitag, 22. Juni, gastieren „Ollie und die Blinden“. Das Publikum wird mitgenommen auf eine Reise durch mehrere Jahrzehnte Rock- und Popgeschichte mit Songs von „Crosby, Stills, Nash & Young“, den „Beatles“, David Bowie, Ray Charles oder „Mumford & Sons“. Die Teilnehmer des Kemnather Oldtimertreffens am 25. August machen voraussichtlich Station an dem altehrwürdigen Gebäude.

Am „Tag des Denkmals“ im September steht ein Hopfenzupfer-Fest auf dem Programm. Für Oktober ist eine Museumsnacht mit Musik und Theater geplant.

Geöffnet hat das Kulturzentrum „Beim Taubnschuster“ mittwochs von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. (exb)

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