28.02.2018  | Netzcode: 5522983
HAHNBACH

Gemeinsam geht's

Projekt der AOVE unterstützt selbstbestimmtes Altern

Viele ältere und alte Menschen leben allein. Ein
Viele ältere und alte Menschen leben allein. Ein Ziel der Alltagsbegleiter von "Alt werden zu Hause" ist es, die Senioren aus ihrer Einsamkeit herauszuführen. Bild: Halfpoint - stock.adobe.com
Weite Wege zu Fachärzten, schlechte Verkehrsanbindungen, keine Hilfe bei schweren Arbeiten in Haus und Garten - mit solchen Problemen haben ältere und alte Menschen täglich zu tun. Dennoch möchten viele von ihnen so lange wie möglich in ihrem eigenen Zuhause wohnen bleiben. Verständlich.

Ein Projekt unter dem Dach der AOVE hilft dabei - und das seit mittlerweile zehn Jahren. Anlass, zurückzublicken. Damals, im Jahr 2007, hat die AOVE (Arbeitsgemeinschaft Obere Vils - Ehenbach) die Koordinationsstelle "Alt werden zu Hause" ins Leben gerufen. Ein Meilenstein für die Senioren der Region.

Seitdem unterstützen Projektleiterin Monika Hager und ihre Kollegin Ingrid Götz Senioren, Menschen mit Demenz und Behinderung in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Für ihre Arbeit haben sie unter anderem im Jahr 2015 den dritten Platz des Bayerischen Demenzpreises gewonnen.

So fing's an: Eine Umfrage des Sozialministeriums gab für Monika Hager und ihre Chefin Waltraud Lobenhofer, Geschäftsführerin der AOVE, bereits im Jahr 2006 den Anstoß, sich mit einem konkreten Projekt für die Belange von Senioren einzusetzen. Mit der Umfrage sollte erforscht werden, was ältere Menschen in kleineren Kommunen genau benötigen. "Dabei ist immer wieder angesprochen worden, dass viele einsam sind und niemanden haben, der sich um sie kümmert und ihnen hilft, den Alltag zu bewältigen“, erinnert sich Monika Hager. Monika Hager und Waltraud Lobenhofer wollten die Erkenntnisse der Umfrage für ihre soziale Arbeit aufgreifen. „Wir wollten so viel wie möglich umsetzen.“
AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer
AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer (links) und Monika Hager, Projektleiterin von "Alt werden zu Hause", wollen älteren Menschen dabei helfen, im Alltag klarzukommen. Bild: Mona-Isabelle Peter


Die Umfrage des Sozialministeriums war aber auch mit der Chance auf eine Projektförderung verbunden: Das Konzept der AOVE überzeugte und erhielt den begehrten finanziellen Zuschuss. Das Projekt „Alt werden zu Hause“ konnte in die Tat umgesetzt werden: „Alt werden zu Hause“ sollte eine Einrichtung werden, die älteren und alten Menschen dabei helfen soll, den Lebensabend selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Kernelement ist die Betreuung der Senioren durch Ehrenamtliche. „Alt werden zu Hause“ koordiniert deren Einsatz.

„Als allererstes haben wir versucht, den Menschen aus ihrer Einsamkeit zu helfen.“ Eine große Stütze sind dabei „Alltagsbegleiter“, wie die AOVE sie nennt. Einmal in der Woche besuchen sie ihre Senioren. Die Besuche verlaufen sehr individuell. „Je nachdem, was der Einzelne unternehmen möchte oder noch unternehmen kann“, bringt Monika Hager den AOVE-Ansatz auf einen Nenner. Die Hauptaufgabe der Alltagsbegleiter ist es im Prinzip, sich ganz einfach Zeit zu nehmen: Sie hören zu, gehen mit den Menschen spazieren, lesen ihnen vor, begleiten sie zum Arzt oder zu Veranstaltungen.

Derzeit engagieren sich zwischen 30 und 35 Menschen im Alter von 50 bis 78 Jahren als Alltagsbegleiter. Das klingt beachtlich, doch tatsächlich sind das „viel zu wenige“, bedauert AOVE-Frau Hager. Hinzu kommt nämlich: Nicht alle sind durchgängig im Einsatz. „Es gibt immer ein paar, die auch mal eine Pause brauchen“, zeigt sie Verständnis. Außerdem stehe der eine oder andere nur für bestimmte Tätigkeiten zur Verfügung.

Dabei benötigen die Ehrenamtlichen keine speziellen Vorkenntnisse, jeder kann mitmachen. Denn: „Am Anfang bekommen alle eine 40-stündige Schulung.“ Eine solide Basis für die Tagesarbeit. Jedes Jahr kommen acht Stunden Fortbildung dazu. „Das ist auch wichtig, um Leistungen über das ZBFS (Zentrum Bayern Familie und Soziales) abrechnen zu können“, klärt Monika Hager auf. Ehrenamtliche Arbeit kommt ohne Finanzspritzen eben nicht aus.
Vor kurzem konnte die Koordinationsstelle "Alt
Vor kurzem konnte die Koordinationsstelle "Alt werden zu Hause" ihren zehnten Geburtstag feiern. Dazu gab es hohen Besuch: Dr. Christine Schwendner, stellvertretende Referatsleiterin im Sozialministerium, hielt die Festrede. Bild: AOVE


Für den Erstkontakt zwischen den „Klienten“, wie die AOVE-Damen ihre Senioren bezeichnen, und der Koordinationsstelle bietet „Alt werden zu Hause“ in den AOVE-Gemeinden (Edelsfeld, Freihung, Freudenberg, Gebenbach, Hahnbach, Hirschau, Poppenricht, Schnaittenbach und Vilseck) Hausbesuche und Rathaussprechstunden an. In Gesprächen mit den Betroffenen und Angehörigen informieren sie etwa über Pflege-Themen oder über benötigte Dienstleistungen. Erst danach werden den Senioren konkrete Alltagsbegleiter zugeteilt. Zentrales Thema bei „Alt werden zu Hause“ sind auch demenzielle Erkrankungen. So wurden im Jahr 2010 erstmals „Demenzwochen“ angeboten.

„In jeder AOVE Gemeinde fanden Veranstaltungen statt“, erzählt Hager. Dort klärte sie auf, worum es sich bei der Krankheit Demenz handelt und wie mit Erkrankten umzugehen sei. Darüber hinaus ging es darum, Demenzkranke in den Gemeinden zu integrieren. Die Verantwortung für die „Demenzwochen“ hat schließlich SEGA übernommen, ein „Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter“ aus Sulzbach-Rosenberg.

Aus den „Demenzwochen“ resultierte eine Beratungsstelle für Angehörige. „Gerade bei demenziell Erkrankten sind ja auch die pflegenden Angehörigen gefordert“, berichtet Hager. Bei regelmäßigen Treffen haben diese die Möglichkeit, sich auszutauschen.

Ebenfalls für die pflegenden Familienangehörigen, aber auch für die Pflegebedürftigen, bietet „Alt werden zu Hause“ Kinästhetik-Kurse an. Diese „Lehre von der Bewegungsempfindung“ beschäftigt sich „mit den bewussten und unbewussten Bewegungen des Körpers“. „Alt werden zu Hause“ arbeitet hier mit einem privaten Kinästhetik-Anbieter, einer Krankenkasse und der Kinästhetik-Trainerin Margarete Hirsch aus Hahnbach zusammen. Pflegebedürftige sollen mit Kinästhetik bereits verlernte Bewegungen neu entdecken. Pflegenden Menschen helfen die Kurse ihrerseits, sich gesundheitsschonende Bewegungsabläufe für den Pflegealltag anzueignen.

Noch etwas liegt Monika Hager am Herzen: „Um möglichst lange daheim leben zu können, sind barrierefreie, behindertengerechte Wohnungen wichtig.“ Gemeinsam mit Fachbetrieben aus der Region konnte „Alt werden zu Hause“ die Beratung zur Wohnungsanpassung vorantreiben. Entstanden ist unter anderem ein Ausstellungskonzept für selbstständiges Wohnen im Alter.

Monika Hager macht es Spaß, sich um die Senioren zu kümmern, sie schmunzelt, wie Menschen es tun, die mit Leidenschaft bei der Sache sind: „Es ist einfach eine sehr, sehr schöne Arbeit, auch für mich persönlich. Es kommt sehr viel Freude und Dankbarkeit von den Senioren zurück.“
(Ende 2017 wurde der zehnte Geburtstag mit einer Feierlichkeit begangen, bei der die Alltagsbetreuer geehrt wurden.) Mona-Isabelle Peter

Dr. Christine Schwendner (Zweite von links) sowie
Dr. Christine Schwendner (Zweite von links) sowie AOVE-Sprecher und Bürgermeister Bernhard Lindner (Zweiter von rechts) ehrten die Alltagsbegleiter der AOVE-Koordinationsstelle für ihr ehrenamtliches Engagement. Bild: AOVE

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