12.05.2018  | Netzcode: 5600237

Das Wetter - eine Chaos-Theorie

Jeder will es wissen: Wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? Heutzutage ist das kein Problem mehr. Meteorologe Andreas Neumaier gibt Einblick in den Alltag eines Wetterfrosches.

Heute schon wissen, wie in 14 Tagen das Wetter ist. Inzwischen ist das mit Hilfe meteorologischer Satelliten und mathematischer Berechnungen möglich. Meteorologen können Wetterabläufe besser nachvollziehen und ihre Berichte werden immer genauer. "Die Wettervorhersagen für eine Woche treffen zu über 80 Prozent zu", sagt Andreas Neumaier, Meteorologe bei der Bundeswehr in Niederstetten und Wetterfrosch für die Oberpfalz-Medien. "Bei bis zu drei Wochen können wir meist noch ganz gute Trend-Abschätzungen abgeben. Jahreszeitenvorhersagen haben dagegen nur eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent."

Aber wie entsteht eigentlich eine Wettervorhersage? Auf der ganzen Welt sind Wetterstationen installiert. Alleine in Deutschland betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) gut 180 hauptamtlich und 1800 ehrenamtlich betreuten Wetterstationen. Darüber hinaus erhält der DWD Daten von Messstationen auf Schiffen, Messbojen, Satelliten und Ballonsonden.

"Die Stationen messen alle für das Wetter ausschlaggebenden Faktoren, unter anderem Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung und -geschwindigkeit, den Niederschlag oder wie hoch die Wolkendecke hängt", erklärt Neumaier. "Alle halbe Stunde senden sie die Daten an die großen Wettercomputer, die unter anderem in Deutschland, England und den USA stehen. Die errechnen die allgemeinen Vorhersagen." Für den Meteorologen heißt es anschließend: aussortieren und an die Zielgruppe anpassen.

Kopfarbeit und Kaffee



"Da ist viel Kopfarbeit gefragt und eine große Kanne Kaffee", sagt der gebürtige Oberpfälzer. In den frühen Morgenstunden erhält er die ersten Wetterdaten des Tages. Das ist für den Meteorologen die wichtigste Zeit. "Ich schaue immer zuerst, wie das Wetter gestern war", sagt er. "Anhand dessen kann ich nachvollziehen, ob die Computerdaten, die in die Zukunft rechnen, tatsächlich sinnvoll sind." Mit Hilfe von Windgeschwindigkeiten und Schätzungen folgen Rechenspiele, die schließlich die Vorhersage ergeben.

"Wenn ich für die nördliche Oberpfalz einen Wetterbericht erstelle, ist es für mich gut zu wissen, wie die Oberpfalz wettermäßig tickt", führt Neumaier an. Kein Problem für den Mann, der in Mitterteich aufgewachsen ist. Schon als Kind hat er sein Elternhaus mit Thermometern und Regenmessern behängt. "Beim Gewitter klebte meine Nase am Fenster und ein Sturm war für mich erst interessant, wenn Bäume gefallen sind", erzählt der 40-Jährige. Das ist auch immer noch so. "Für mich ist schönes Wetter, wenn es abwechslungsreich ist - mit vielen Extremen."

Leidenschaft im Beruf



Mit 13 Jahren machte er bereits ein Praktikum beim Wetterdienst am Flughafen in Nürnberg. Nach dem Schulabschluss schrieb er, sehr zum Leidwesen seiner Mutter, nur eine einzige Bewerbung - an den Deutschen Wetterdienst. Dort machte er die Ausbildung zum Meteorologen. Seit 1995 arbeitet er als ziviler Beamter in der Flugwetterberatung der Bundeswehr in Niederstetten. Seit 15 Jahren beliefert er nebenbei auch Print- und Online-Medien sowie Radio mit Wetterberichten.

Neumaier geht mit Leidenschaft in seinem Beruf auf. "Das ist kein Job, den man einfach so macht", sagt er. Ein großes Maß an Verantwortung liegt in seinen Aussagen, wenn er Bundeswehrpiloten berät, wie die Wetterverhältnisse am Start- und Zielort sowie auf der gesamten Route sind. "Da müssen die Vorhersagen auf dem aktuellsten Stand sein. Sie erstrecken sich über einen Zeitraum von höchstens zwei bis drei Stunden."

Viele unvorhergesehene Faktoren können das Wetter beeinflussen. Große Hochdruckgebiete sind nach Neumaiers Erfahrungen sehr gut zu kalkulieren. "Kleinere Tiefs sind dagegen oft schwer einschätzbar." Neumaier nennt in diesem Zusammenhang den sogenannten Schmetterlingseffekt. Er besagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings zu Luftveränderungen und dadurch im schlimmsten Fall zu einem Tornado auf der anderen Seite der Welt führen kann. "Wettervorhersagen sind eine Chaos-Theorie", sagt Neumaier.

Eine selige Insel



Ein kleiner Rechenfehler, Höhenströmungen oder fehlende Wetterdaten durch einen technischen Defekt können die gesamte Vorhersage ungültig machen. Der Saharasand, von dem oft im Wetterbericht die Rede ist, gehört auch dazu. "Der Staub in der Luft bindet Wasser und dadurch bilden sich Wolken. Die ziehen meist in großer Höhe und mit großer Geschwindigkeit und können innerhalb eines Tages auch in der Oberpfalz landen", erklärt der Meteorologe. Aufgrund dieser Unsicherheiten müsse er bei längerfristigen Voraussagen von mehreren Tagen viel mit den Worten "könnte" und "eventuell" arbeiten.

Glücklicherweise passiere in der nördlichen Oberpfalz wettertechnisch relativ wenig. "Da wir uns weiter im Osten befinden und günstige Höhenlagen haben, gibt es dort keine Horrorszenarien wie Mörder-Hitzen", sagt Neumaier. Trotzdem müssten sich die Menschen auch hier an die Wetterverschiebungen durch den Klimawandel anpassen. Seine geliebten Extreme findet Neumaier in der Heimat sehr selten. "Die Oberpfalz ist eben eine kleine, selige Insel." (mip)


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