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31.07.2009  | Netzcode: 1937798  |  1996 Mal gelesen.

Durch Buchenwald auf den Frauenstein

Eine Wanderung im Schönseer Land: Auf alter Bahnlinie zu Zahnwehkreuz und Ritterg'schicht

Im Wechsel der Jahrhunderte im Besitz
Im Wechsel der Jahrhunderte im Besitz unterschiedlicher Adelsgeschlechter: Die Burg Frauenstein, von der heute nur noch - allerdings frei zugängliche - Reste stehen. Erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, wird sie bald urkundlich als "öd und zerbrochen" beschrieben. Heute ist die Ruine, besonders wenn sie von Nebeln umhüllt ist, eher ein geheimnisvoller Ort. Bilder: Krehl (3)
Einen Schönseer Burgenweg und auch einen Höhenweg im gleichnamigen Winkel des Landkreises Schwandorf gibt es, beide gleichermaßen reizvoll für den Wanderer. Auf Teilstücken beider Wege und des Karl-Krampol-Wegs sowie des Oberpfalzwegs wollen wir uns heute aufhalten. Ziel ist die geheimnisvolle Ruine der Burg Frauenstein, im 13. Jahrhundert erstmals genannt - und immerhin auf 875 Metern Höhe gelegen.

Wer direkt und ausschließlich bergauf hinauf will zum Frauenstein, der kann alternativ auch direkt von Gaisthal aus wandern. Wir aber steuern den ehemaligen Bahnhof von Schönsee an. Dort gibt es hinten beim ehemaligen Lokschuppen genügend Parkplätze.

Zuerst einmal geht es stetig bergab auf der alten Bahnstrecke von Nabburg über Oberviechtach im Auenbereich der Ascha auf dem Bayrisch-Böhmischen Freundschaftsweg in Richtung Gaisthal bis an den Waldrand bei Muggenthal. Dort wird die ehemalige Bahntrasse nach links in den Wald hinein verlassen. Dieser dichte Wald, dessen Wertschätzung der Forst mit teilweise heftigen Aufschotterungen und tiefen Harvesterschneisen dokumentiert, begleitet uns am Wotanstein (OWV-Wegweiser!) vorbei bis hinauf zur Burgruine.

Lichter Buchenmischwald



Durchwegs ist die schwarze Eins auf gelbem Grund verlässliche Markierung. Sie trifft sich nach weiteren 1,7 Kilometern mit dem schwarzen Zweier, dem wir nur etwa 50 Meter nach rechts folgen, um bei der Unterstellhütte wieder auf dem Einser nach links einzutauchen - in einen teilweise lichten und hohen Buchen-Mischwald. Die Stille seiner Abgeschiedenheit begleitet den genießenden Wanderer bis zu der Stelle, an der ein schwarzer Vierer auf den Einser trifft.
Unterschlupf für kleine Spinnen und Hummel an
Unterschlupf für kleine Spinnen und Hummel an einem regnerischen und kühlen Tag sind die glockenförmigen Blüten des Fingerhuts.


Auf Eins und Vier führt der Weg zu einem seiner Höhepunkte kurz vor der Ruine: Nach nur wenigen Hundert Metern geht der Blick weit hinaus nach Westen und Südwesten in Richtung Oberviechtach. Schwerer, alter Windbruch am Wegrand lässt ahnen, dass es hier schon heftig zugehen mag in den Stürmen des Herbstes und im Winter. Weiter bergan jedoch sind die geheimnisvollen Reste der Burg Frauenstein das Ziel. Ein Torbogen von ihr spannt sich noch über Mauerreste neben einem Brunnenrand. Aussicht von dort oben gibt es nicht, zu sehr hat der Wald den Ort umschlungen - eine Tafel kündet von einer gar schaurigen "Ritterg'schicht". Und wer einen schmerzenden Zahn mit herauf geschleppt haben sollte, der erfährt vielleicht Linderung am "Zahnwehkreuz" nahe der Ruine: Ein Splitter davon soll dem Volksmund nach vom Übel am Gebiss befreien.

Zurück geht es wenige Hundert Meter auf dem Herweg bis der schwarze Vierer wieder erreicht ist. Nach links folgen wir ihm jetzt stetig hinab in den Ort Gaisthal. Der Weg dort hinunter führt pausenlos bergab weitgehend durch lichten Mischwald und schmerzende Gehwerkzeuge sind durchaus dankbar ehe nach etwa 3,5 Kilometern der Vierer am nordöstlichen Ortsrand wieder auf die aufgelassene Bahnstrecke trifft.

Zartes Fluginsekt auf einer Johanniskrautblüte
Zartes Fluginsekt auf einer Johanniskrautblüte (Hypericum perforatum), einer bewährten und begehrten Heilpflanze.


Die führt rechts ab fast durchwegs über der Staatsstraße 2159 von Oberviechtach in Richtung Schönsee zurück. Der geringe Verkehr stört wenig, vielmehr ist das kräftige Rauschen der Ascha drunten neben der Straße ein romantischer Naturbegleiter. Alte Kilometersteine am Rande des ehemaligen Schienenbetts führen stetig sanft bergan und lenken die Fantasie auf die Spuren der ehemaligen Bahnlinie und deuten Kunst und Fähigkeiten der Eisenbahningenieure vergangener Zeiten an, die die Strecke teilweise in steil ansteigende Felshänge sprengen mussten.

Bei Muggenthal treffen wir wieder auf den dort in den Wald hinauf führenden Einser, folgen diesem aber wieder unter der Staatsstraße hindurch in die Ascha-Talaue hinein. Bis zum Schönseer Bahnhof und dem Endpunkt unserer Wanderung hin ist der Weg auch Teil eines Lehrpfades mit Hinweistafeln auf die Botanik, die ein Bahndamm dereinst und heute einen prächtigen Lebensraum bot und weiterhin bietet.

Leuchtende Blütenpolster



Beispiel dafür eine kleine Serpentinit-Formation im Bereich weiterer Biotope in unmittelbarer Nähe des Ortsrands: Wer einen sonnigen Sommer-Wandertag erwischt hat, dem steigt der Duft der kräftig violett leuchtenden Blütenpolster des Feldthymians zwischen den Felsen in die Nase. So manchem aber mag zum Schluss der Tour hin eher nach einer Brotzeit sein, wofür wiederum die über die Region hinaus bekannten "Pascherwirte" in Schönsee und Umgebung gastronomische Anlaufstellen sind.

Zum Download:

Die Übersichtskarte über das Schönseer Land hier herunterladen

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