Spanien gibt es auch in Grün
Im Norden eine Landschaft zwischen Gebirge und Meer – Reich an Kultur und Tradition
Es liegt im Norden am Atlantik, hat Gebirge mit Almen, daneben auch Häfen und Fischerdörfer, historische Städte und prähistorische Höhlen. Das Wetter, relativ mild mit viel Regen, hat den Landstrich derart geprägt, dass sich die vier autonomen Regionen Galicien, Asturien, Kantabrien und Baskenland einen treffenden Namen ausgesucht haben: das Grüne Spanien.
Der Jakobsweg verbindet
So groß die Unterschiede auch sein mögen – hier die von der See beeinflussten ländlichen Gegenden Galiciens und Asturiens, dort das selbstbewusste Baskenland, dazwischen das winzige Kantabrien, das gleichwohl dem Meer und dem Gebirge seinen Namen gegeben hat –, die Gemeinsamkeiten sind vielfach. Allen voran der Jakobsweg nach Santiago de Compostela, dessen Nordroute die vier Regionen durchquert.
|
| Felisa Aznar aus Saragossa und ihre 11-jährige Tochter Marta haben sich vor der Kathedrale von Santiago de Compostela unter die Pilger gemischt. |
An seinem Ziel in Galicien herrscht großes Gedränge. Über den Obradoiro-Platz in Santiago, vor der massigen Kathedrale, schallen Klänge eines Dudelsacks, des wichtigsten Volksmusikinstruments hier im Norden. Vor allem in den heiligen Jahren, das sind diejenigen, in denen der Jakobstag 25. Juli auf einen Sonntag fällt, steigen die Pilgerzahlen noch einmal deutlich an. Von der Fassade blickt der Heilige Jakob in traditioneller Pilgermontur, mit Hut, Umhang und Stab, herab auf die Wallfahrer, die heutzutage eher in Outdoorkleidung und mit Walking-Stöcken kommen.
Manche haben auch richtige Pilgerstäbe dabei, die sie in der Eingangshalle des Pilgerbüros auf einem Stapel zurücklassen. Nahe der Kathedrale lohnt sich ein Blick in das Gebäude des „Parador dos Reis Católicos“, im 16. Jahrhundert als Hospital für Arme und Pilger gebaut, heute ein 5-Sterne-Hotel. Den schönste Blick auf die Kathedrale genießen Besucher des Alameda-Parks.
Klippen und Badestrände
Fischerort. Wegen seiner an den Hang gebauten Häuser spricht man heute vom „Weißen Dorf im Grünen Spanien“. Und der hier mündende Fluss aus den Bergen heißt Rio negro.
Asturien gibt sich gerne als KäseLand mit 40 eigenen Sorten. Der Apfelwein Sidra wird traditionell eingeschenkt: die Flasche über dem Kopf, das Glas auf Hüfthöhe. Berühmtheiten wie Fernando Alonso und Prinzessin Letizia stammen aus dem asturischen Oviedo mit seiner historischen Altstadt. Woody Allen liebt das Land ebenso und hat in der Fußgängerzone sogar ein Denkmal.
Wölfe und Bären
Der traumhafte Strand in Ribadesella wird an der Promenade von zahlreichen Villen „indianischer“ Architektur abgeschottet. Sie stammen von ehemals nach Südamerika ausgewanderten Rückkehrern, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Reichtum zur Schau stellten. Die vier nördlichen Regionen Spaniens setzen vor allem auf ihre Natur. In manchen Gegenden leben noch Bär und Wolf in freier Wildbahn. Ein tolles Wandergebiet erschließt sich im Nationalpark Picos de Europa, einem bis über 2600 Meter Höhe reichenden Kalkstein-Massiv des Kantabrischen Gebirges. Die auf rund 1100 Meter liegenden Seen Lagos de Covadonga haben ihren Namen von einem Marienheiligtum am Fuß der Picos. Berühmt wurde der kleine Ort durch eine Schlacht im Jahr 722, die als Beginn der Reconquista gilt, der christlichen Rückeroberung Spaniens von den Mauren.
|
| Ein Spaziergang durch Santillana del Mar (Kantabrien) mit seinen Gebäuden aus mehreren Jahrhunderten gleicht einer Reise durch die Geschichte Spaniens. |
Reise durch die Geschichte
Viele Legenden und Mythen erzählt man sich in Kantabrien. Mehr als 6500 Höhlen tragen zum Geheimnisvollen bei. In Santillana del Mar tritt der ganze kulturelle Reichtum zu Tage. In der Altstadt haben Römer, Christen und Mauren ihre Spuren hinterlassen, so dass ein Spaziergang
durch die Kopfsteinpflaster-Gassen einer Reise durch die Geschichte gleichkommt. Die romanische Kirche ist der Heiligen Juliana geweiht. Der Name des Orts ist davon abgeleitet.
Das Baskenland liegt ganz im Osten des Grünen Spanien. Die stolze Industrieregion mit eigener Sprache sieht sich heute als Symbiose aus Tradition und Innovation. Bilbao, die Hauptstadt, hat ein besonderes Pfund, mit dem sie wuchert: das berühmte Guggenheim-Museum, eines von lediglich vieren auf der Welt. Die Dauerausstellung beherbergt unter anderem Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Richard Serra. Das eigentliche Kunstwerk jedoch ist das Gebäude selbst. Aus Titanium, Stahl, Glas und Kalkstein hat Architekt Frank O. Gehry ein riesiges Schiff ans Ufer des Stadtflusses gezaubert.
Nicht weniger sehenswert ist ein weiteres baskisches Museum: Am Südrand der glamourösen Hafenstadt San Sebastián, deren elegante Boulevards an Paris denken lassen, hat Bildhauer Eduardo Chillida in einem großen Park einen geeigneten Platz für seine Skulpturen gefunden.
|
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
zum Thema















