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Von (ch)  |  07.09.2009  | Netzcode: 1990313  |  1984 Mal gelesen.
Wackersdorf

Ein Berggeist wird lebendig

Wanderung rund um den Knappensee bietet Einblicke in die Bergbaugeschichte Wackersdorfs

Am Braunkohle-Lehrpfad beginnt die
Am Braunkohle-Lehrpfad beginnt die Berggeistwanderung. Relikte aus der BBI-Ära wie eine Lokomotiv-Achse oder das Schaufelrad eines Baggers (im Hintergrund) erinnern an die Zeit, die die Region prägte. Bilder: Götz (6)

Wackersdorf. (ch) Ob es gespukt hat in den Tagebaugruben rund um Wackersdorf, darüber sagen die Geschichtsbücher nichts. Einen Berggeist aber gab es: Diesen Spitznamen bekam Anton Bauer anno 1906 als Grubenaufseher von den Arbeitern. Um ihn und die Geschichte des Braunkohleabbaus geht es bei der "Berggeistwanderung", die das Tourismusbüro regelmäßig anbietet. Und: Um die Liebe.

Ein Gedenkstein mit Hammer und Schlägel, den
Ein Gedenkstein mit Hammer und Schlägel, den Werkzeugen der Bergleute, erinnert an die BBI-Zeit.
Der Museums- und Kulturverein hat die Führung mit konzipiert, die unterhalb des relativ neu angelegten Kalvarienbergs beginnt. "Berg" ist sicher etwas übertrieben, auf dem Hügel thront jedenfalls ein großes Kreuz, das gleichsam Kriegerdenkmal wie Erinnerung an den Bergbau ist. Hinter der Schranke warten Ausstellungsstücke aus der Zeit der Bayerischen Braunkohleindustrie AG, der BBI. Eisenbahnwaggons, ein Turbinenrad, Loren, die Achse einer Lokomotive, und, natürlich, das Rad eines Schaufelradbaggers, das sich einst in die Erde fraß. Das "braune Gold", das es förderte, prägte fast ein Jahrhundert lang die Region.

1906 nämlich wurde die BBI gegründet, nachdem schon rund 100 Jahre früher der Schneidermeister Andreas Schuster beim Brunnengraben die Braunkohle entdeckt und seinen Fund pflichtschuldigst gemeldet hatte. Zunächst im Untertagebau wurde die Kohle ausgebeutet. Mit wenig wirtschaftlichem Erfolg, so dass Mitte des 19. Jahrhunderts der Abbau eingestellt wurde.

"Berggeist" Toni erwischt endlich Arbeiter
"Berggeist" Toni erwischt endlich Arbeiter "Gustl". Der entpuppt sich als Elisabeth, und hat ein Auge auf den Grubenaufseher geworfen.


Erst Anfang des 20. Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an die Vorkommen, ging nun im Tagebau an die Arbeit. Die Tagebaue hatten eine Fläche von 2400 Hektar, die nach und nach ausgebeutet, wieder verfüllt und schließlich rekultiviert wurden.
Eine Mooreiche am Lehrpfad lässt erahnen, wie vor
Eine Mooreiche am Lehrpfad lässt erahnen, wie vor Millionen Jahren die Braunkohle entstand.

So bewegt sich die Berggeistwanderung auf historischem, aber dennoch jungem Boden, entlang des Lehrpfades, an dem auch Schilder auf Besonderheiten hinweisen. Zum Beispiel auf einige, kleine Landzungen, die während des Abbaus stehen blieben. Sie sind noch heute am älteren Baumbestand zu erkennen. Doch Zurück zu Anton Bauer, dem Grubenaufseher. Er hatte wohl seine liebe Müh' und Not damit, die Arbeiter "auf Schicht" zur Arbeit anzuhalten. Weil er wie aus dem Nichts immer wieder an den verschiedenen Arbeitsstellen auftauchte, und unermüdlich "herumgeisterte", hatte er seinen Spitznamen "Berggeist" bald weg. Um ihn herum und eine (zumindest angebliche) Konkurrenz zwischen dem Kohlestandort Wackersdorf und dem Kraftwerkstandort Dachelhofen inszenieren Schauspieler der "Stadtmaus" eine Geschichte, die an mehreren Stationen auch Einblicke in Leben und Liebe der Grubenarbeiter gibt. Natürlich mit Happy End.

In Bergmannskluft unterwegs: Johann Dozler, einer
In Bergmannskluft unterwegs: Johann Dozler, einer der "Berggeist"-Führer.
Die Führungen werden von Museumsleiter Karl Jobst oder Johann Dozler vom Museums- und Kulturverein geleitet. Dozler hätte die BBI um ein Haar nach Indien gebracht: Die nicht rentable Braunkohle-Brikettfabrik wurde einst auf den Subkontinent verkauft. Wackersdorfer Arbeiter sollten beim Wiederaufbau helfen. Für die Reise brauchte der junge Johann Dozler die Erlaubnis der Eltern. Die unterschrieben aber nicht.

Ein Stück des Weges führt die Berggeist-Wanderer
Ein Stück des Weges führt die Berggeist-Wanderer auch über den Damm, der Steinberger- und Knappensee voneinander trennt.

Rund um den Knappensee führt die rund zweistündige Wanderstrecke. Vorbei am Gedenkstein, der an die BBI erinnert. Am Ende gibt's auf Wunsch eine Brotzeit beim Braunkohlemuseum. Direkt neben der ehemaligen BBI-Verwaltung. In diesem Gebäude hat auch der Zweckverband Oberpfälzer Seenland sein Büro: Er wirbt für die großen Seen, die dort zur Entspannung einladen, wo einst in harter Arbeit die Braunkohle gefördert wurde.

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