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Von (ch)  |  22.08.2010  | Netzcode: 2462472  |  1197 Mal gelesen.
Wackersdorf

Technik und bergmännische Tradition

Besuch im Heimat- und Industriemuseum in Wackersdorf - Tagebau anschaulich dargestellt

Einige hundert Schmuckbriketts hat Jobst
Einige hundert Schmuckbriketts hat Jobst mittlerweile für das Museum gesammelt. Die bemalten Kohlen wurden zu besonderen Anlässen hergestellt.

Wackersdorf. (ch) Sie glänzen wie ein frisch polierter Lackschuhe, und sie sind (natürlich) kohlrabenschwarz: "Schmuckbriketts". Mehrere Hundert dieser Klötze aus ganz Deutschland hat Karl Jobst in seinem Fundus. Ihre bunten Aufschriften erinnern sie an allerlei Bergbau-Jubiläen. Die Tradition spielt im Heimat- und Industriemuseum Wackersdorf eine wichtige Rolle.

An den Farben der Federbuschen konnten die
An den Farben der Federbuschen konnten die Bergleute den "Dienstgrad" ihres Gegenübers erkennen.
Und selbstverständlich die Bayerische Braunkohle Industrie (BBI)."Werk III" lautet die Adresse, das Museum ist an historischer Stelle untergebracht. Einst war hier die Verwaltung der BBI, jener Aktiengesellschaft, die von 1906 bis 1982 das Leben in Wackersdorf prägte.

180 Millionen Tonnen



180 Millionen Tonnen Braunkohle wurden in diesen 76 Jahren im Tagebau ausgebeutet. Die Gruben sind heute rekultiviert, Murner- und Steinberger See als ehemalige Tagebaue nun zu den Touristenmagneten der Region geworden.

Wer über diese Geschichte mehr erfahren will, der ist bei Karl Jobst gut aufgehoben. Der Ortsheimatpfleger leitet seit rund acht Jahren das Museum, kümmert sich um die Ausstellung. Und baut derzeit im Keller um: Nach einem Wasserschaden wurde hier saniert, nun finden unter anderem geologische Exponate hier ihren Platz, genau so der Vorführraum für Filme aus der BBI-Zeit.

Ein Raum des Museums widmet sich den
Ein Raum des Museums widmet sich den Auseinandersetzungen um den letztlich gescheiterten Bau einer atomaren Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf.


Gleich im ersten Raum zeigt Karl Jobst ein großes Modell eines Braunkohle-Tagebaus, das früher einmal im Bayernwerk stand. Schaufelradbagger, Bandabsetzer, die schier endlosen Förderbänder sind hier im Miniaturformat zu entdecken. Zwar kein Modell einer Grube hier im Revier, aber exemplarisch lässt sich daran gut erklären, wie der Ablauf war.

Die Förderbänder übrigens waren in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lange die längste zusammenhängende Anlage der Welt. "Da kamen Abordungen bis aus Australien zur Besichtigung", weiß Karl Jobst, der bei der BBI gelernt hat und heute an der Flussmeisterstelle in Nabburg arbeitet.

Die 80er-Jahre



Ein Raum ist der "WAA-Zeit" gewidmet, neben Modellen der letztendlich gescheiterten Atomfabrik sind Transparente des Widerstands und viele Bilder aus dieser Epoche in den 80er-Jahren zu sehen. "Das gehört dazu," sagt Jobst. Schließlich entstand auf dem Gelände der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage ein Industriepark, der zahlreiche Arbeitsplätze für die Region bietet und Wackersdorf zu einer schuldenfreien Gemeinde macht.

Ein Schaufelradbagger im Miniformat: Das Modell
Ein Schaufelradbagger im Miniformat: Das Modell ist Teil eines Schaubildes, das aus dem Deutschen Museum stammt.


Auch die bergmännische Tradition hat hier ihren Platz: Bergmannsuniformen ebenso wie eine kleine Geschichte des Knappenvereins und der Knappenmusikkapelle.

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Das Heimat- und Industriemuseum Wackersdorf ist jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Anfahrt: Von der A 93 bis Abfahrt Schwandorf Mitte, auf der B 85 Richtung Wackersdorf. Nach Wackersdorf mehr...

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