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Von Hans Klemm  |  09.10.2010  | Netzcode: 2525471  |  1667 Mal gelesen.

Ungarn streift das Billig-Image ab

EU-Gelder fließen in Städtebau und Tourismus

Pécs, die Kulturhauptstadt 2010, hat sich fein
Pécs, die Kulturhauptstadt 2010, hat sich fein herausgeputzt. Den Hauptplatz, Ort täglicher Konzerte und Aufführungen, dominiert die Gasi-Khasim-Moschee, heute genutzt als katholische Pfarrkirche.
Die Fremdenführerin meint es gut. Eigentlich, sagt Monika Kessler, müsste sich der Gast in Ungarn nur zwei Jahreszahlen merken: 896, als Stammes-Urvater Arpad das Karpatenbecken besetzte, und 1896, als zu den 1000-Jahr-Feiern im Land der Magyaren ein großflächiger Bau-Boom einsetzte.

Aber gleichzeitig füttert Monika Kessler ihre Gruppe tagelang mit Informationen, die jedem Lexikon zur Ehre gereichen würden. Ihr Name verrät, dass sie selber zur deutschen Minderheit zählt. Die Familie wanderte vor 300 Jahren aus dem Schwäbischen ein, angelockt von Kaiserin Maria Theresia. Damit wäre ein Markstein ungarischer Geschichte genannt, die Herrschaft der Habsburger. Nach Arpad und vor der Donaumonarchie schwangen die Türken das Szepter über knapp 150 Jahre, zwischendurch regierten auch polnisch-böhmische Adelshäuser. Sie alle hinterließen Spuren, nicht nur in der Hauptstadt Budapest, auch verstreut über das ganze Land. Pécs, zu deutsch Fünfkirchen, mit seinen heute 170 000 Einwohnern, zieht daraus Nutzen. Neben Istanbul und dem Ruhrgebiet führt die Stadt den Ehrentitel Kulturhauptstadt Europas. "Eine Stadt ohne Grenzen" heißt das Motto. Ihm wird das 2000 Jahre alte Pécs auch symbolträchtig gerecht. Den Hauptplatz dominiert eine Moschee, die heute als katholische Pfarrkirche dient. Auf der Kuppel erhebt sich das Kreuz Christi über einem liegenden Halbmond. Offiziell trägt die Moschee-Kirche den Namen ihres Erbauers Pascha Gasi Khasim. Sie ist außen bis auf das Kreuz unverändert. Im Inneren finden sich Zitate aus dem Koran und eine gegen Mekka gerichtete Gebetsnische. Nur Altar und Kirchenbänke verraten die heutige Nutzung.

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