Von (lhc) |
15.03.2011
| Netzcode: 2723363 | 1375 Mal gelesen.
Neukirchen
Afrikas Sonne und den Wind stets im Rücken
Mit dem Rad durch den Norden Marokkos - Zwei Aktive des Radsportclubs Neukirchen auf abenteuerlicher Reise
Neukirchen. (lhc) So hatten sich Christian Langhans und sein Bruder Jürgen - beide begeisterte Radfahrer und aktiv im Radsportclub Neukirchen - ihr Fluchtziel aus dem grauen Deutschland in den vermeintlich warmen Süden nicht vorgestellt. Tanger, die Hafenstadt im Norden Marokkos, zeigte sich bei der Ankunft von ihrer ungemütlichsten Seite: Peitschende Sturmböen, Regengüsse, vom Wind zerzauste Palmenwedel.
Imposante Wellenbrecher waren an der Atlantikküste der marokkanischen Hauptstadt Rabat bei strahlendem Sonnenschein zu beobachten. Bilder: lhc (6)
Dabei sollen Herbst und Winter die ideale Reisezeit sein für dieses Land, das im Sommer für kältegewohnte Europäer vor Hitze kaum erträglich ist. Am nächsten Morgen trauten beide ihren Augen kaum: Blauer Himmel, weit und breit kein Wölkchen, Sonne satt. Der nächtliche Regen war also doch nur ein kurzes Intermezzo im sonnenverwöhnten Marokko
Aber der Wind blies noch kräftig und ließ den Atlantik in gewaltigen Brechern an die endlos lange, vom Tourismus gänzlich unberührte Sandküste, schwappen. "Dieser Wind macht die ersten Kilometer so beschwerlich: Er weht viel Strandsand auf den Asphalt und lässt die Reifen einsinken. Nur mit mächtig Druck auf die Pedale ist ein Vorankommen möglich", erklärt der passionierte Radfahrer Christian Langhans.
Entschädigt für die Mühen werden er und sein Bruder durch traumhafte Ausblicke auf die Atlantikküste und verkehrsarme, sehr gut geteerte Straßen. Hin und wieder überholen sie alte Mercedes-Taxis, die in Deutschland schon vor Jahrzehnten ausgemustert wurden, und die hier in Marokko noch jahrzehntelang ihren Dienst tun. "Sie stehen sinnbildlich für den Wohlstands-Unterschied zwischen Norden und Süden: Was für die europäische Wegwerfgesellschaft aus der Mode gekommen oder nicht mehr gut genug ist, bedeutet für die Einwohner der Schwellen- und Entwicklungsländer Afrikas Reichtum", findet Langhans.
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Neukirchen
Afrikas Sonne und den Wind stets im Rücken
Mit dem Rad durch den Norden Marokkos - Zwei Aktive des Radsportclubs Neukirchen auf abenteuerlicher Reise
Chefchauoen liegt im Rif-Gebirge und ist als Ausgangspunkt für Trekkingtouren oder Bergsteigen ideal für Sportler und Touristen aus den verschiedensten Ländern der Welt.
Oliven und Obst
Die Kilometerangaben der Wegweiser sind reine Schätzwerte. Der nächste zeigte 19 Kilometer an.
Je weiter sich die Straße nach Süden schlängelt, umso weiter entfernt sie sich von der Küste und desto heißer wird es. Olivenbäume und Obstplantagen säumen die Straße, so weit das Auge reicht. Am Straßenrand bieten Klein- und Kleinsthändler für ein paar Dirham Datteln, Mangos, Oliven und sonstige Früchte an, die dank der satten Sonnenausbeute traumhaft schmecken.
Man kann kaum glauben, dass bei diesen Massen von Händlern jeder genug für seinen Lebensunterhalt verdient. Jedenfalls zelebrieren diese die südländische Lässigkeit und Muße, die den Nordeuropäern im hektischen Alltag so abgeht: Stundenlang dösen sie im Schatten eines Olivenbaums am Straßenrand und warten mit stoischer Ruhe darauf, dass alle paar Stunden ein Auto oder Eselskarren anhält.
Erste Station ist Souk-el-Arba-Rharb, eine kleine Stadt fernab von jeglichem Tourismus. Von den beiden Hotels am Ort wählen die Radler das optisch ansprechendere und zahlen umgerechnet sieben Euro für die Übernachtung mit Frühstück pro Person. Dass das Zimmer eher lässig bis gar nicht gereinigt ist, die Dusche ein lauwarmes Rinnsal ist und das Fenster nicht schließt, stört hier niemanden wirklich.
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Sie sind in Marokko allgegenwärtig: Die"unkaputtbaren" 70er-Jahre-Mercedes-Taxis, hier auf einer durch Wasserrohrbruch überfluteten Straße.
Zum Frühstück gibt es Kaffee mit viel Milch und Couscous serviert. "Schweinefleisch sucht man im islamischen Marokko vergeblich, dafür findet man Hammel allerorten: Hammel-Geschnetzeltes, Hammel-Steak, Hammel-Spieße, Hammel-Pizza...", zählt Christian Langhans auf.
Gaststätten im europäischen Stil gibt es in den ländlichen Gebieten kaum; Straßencafes dafür wie Sand am Meer. Hier treffen sich ausnahmslos Männer zum Tratsch, gegessen wird zu Hause bei Frau und Kindern. Die eintönige Straße Richtung Süden führt beide nach Rabat, der Hauptstadt Marokkos an der Atlantikküste mit mehr als 600 000 Einwohnern.
Abends stürzen sich beide ins Getümmel der extrem geschäftigen Medina (Innenstadt) dieser Metropole. Es fällt auf, dass sich die Jugend nach westlichem Vorbild orientiert: Jeans, T-Shirt, Handy oder MP3-Player am Ohr. Die Älteren, vor allem Frauen, bevorzugen Landestracht mit herrlich bunten, langen und Körper wie Gesicht fast komplett verschleiernden Kleidern.
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Atlantik und Mittelmeer, Afrika und Europa: Blick auf die Meerenge von Gibraltar, die einen natürlichen und kulturellen Knotenpunkt bildet.
In Meknes kämpfen sich Jürgen und Christian Langhans durch den hektischen Verkehr und genießen dann auf dem herrlichen Stadtplatz einen Kaffee in der Sonne. Hier pulsiert das orientalische Leben. Obst, Fleisch, Zigaretten, Tongefäße - alles, was das Herz begehrt, wird von den Händlern lautstark angepriesen.
Alte Königsstadt Fes
Ein Stück weiter im Landesinneren liegt Fes, eine alte und schöne Königsstadt. Fes hat fast 800 000 Einwohner und war bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts das politische und wirtschaftliche Zentrum des nördlichen Marokkos. Wirtschaftsmetropole ist heute Casablanca, die politischen Fäden werden in der Hauptstadt Rabat gezogen. Das Thermometer zeigt am Morgen des nächsten Tages bereits 20 Grad an, mittags knacken die Temperaturen locker die 30-Grad-Marke. Chefchaouen heißt das nächste Ziel, das vorletzte vor Tanger. 600 Höhenmeter am Stück werden auf den letzten paar Kilometern dieser Etappe bezwungen. Die Mühe lohnt sich: Malerisch schmiegt sich der Ort mit seinen schneeweißen Häusern an die schroffen Berghänge des Rif-Gebirges, dessen höchste Gipfel 2000 Meter locker übertreffen. "Die Temperaturen am Abend sind spürbar niedriger in den Bergen, aber der Blick ins Tal beim knallroten Sonnenuntergang entschädigt", erzählt Langhans. "Anders als in vielen Orten im Landesinneren nimmt man auf der Straße kaum Notiz von uns." Hier ist man europäische Touristen gewohnt, viele nutzen Chefchaouen als Ausgangspunkt fürs Bergsteigen oder Trekking im Rif.
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Kräftiger Rückenwind
Am nächsten Morgen bläst die beiden Radfahrer wieder kräftiger Rückenwind immer weiter Richtung Tanger. Nach der Hälfte der Tagesetappe lassen sie Tetouan links liegen und werden Zeugen des all-samstäglichen Hammelmarktes der Stadt, auf dem tausende der zotteligen Tiere im quirlig-orientalischen Treiben ihren Besitzer wechseln.
Leider nimmt der Verkehr immer mehr zu, je näher das Ziel Tanger rückt, das afrikanische Tor nach Europa. Durch viele Vororte kämpfen sie sich durch bis ins Zentrum und weiter zur Küstenstraße. Von hier aus schweift der Blick in die Ferne: Über die Meerenge von Gibraltar hinweg, wo Mittelmeer und Atlantik zusammentreffen, ist im Dunst das spanische Festland erkennbar.
Noch mal Sonne und Wärme tanken, bis der Flieger zurück ins nasskalte Deutschland geht. Im Gepäck haben Christian und Jürgen Langhans eine Menge Impressionen von einem facettenreichen Land, das definitiv eine Reise wert ist.
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