Von Alexander Pausch |
23.01.2012
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Tutzing
Europa ein Problemfall der Weltwirtschaft
Folgen der großen Rezession noch immer weltweit spürbar - Erholung in den USA in greifbarer Nähe
Die Vereinigten Staaten, in denen die internationale Finanzkrise im Jahr 2008 ihren Ausgang genommen hatte, gelten unter Ökonomen als wieder für eine Überraschung gut - im positiven Sinne. Eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft gilt angesichts der jüngsten positiven Signale von jenseits des Atlantiks als durchaus in greifbarer Nähe. Wenngleich die USA "noch einen weiten Weg bis zu einer dynamischen Erholung" vor sich haben, wie Professor Kai Carstensen vom Münchener Ifo-Institut in Tutzing deutlich machte.
Die evangelische Akademie und das Ifo-Institut befassten sich am Wochenende bei einer gemeinsamen Tagung am Starnberger See mit den "Brennpunkten der Weltwirtschaft". Als solcher waren die USA zwar nicht eigens auf der Tagesordnung ausgewiesen, aber in seinem Ausblick auf die "Weltwirtschaftliche Entwicklung 2012 und darüber hinaus" sprach Carstensen ihnen durchaus "Überraschungspotenzial" zu, trotz der noch immer großen Probleme.
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Tutzing
Europa ein Problemfall der Weltwirtschaft
Folgen der großen Rezession noch immer weltweit spürbar - Erholung in den USA in greifbarer Nähe
Anders dagegen Europa. Es gilt inzwischen als Problemfall, weil die Euro-Krise die Weltwirtschaft belastet. Eine Ausnahme ist Deutschland. Hier schwäche sich zwar das Wachstum ab, aber die Binnennachfrage, von der man "gar nicht mehr gedacht habe, dass es sie gäbe", stütze die Wirtschaft, sagte Carstensen. "Nur der Export schwächt sich ab." Dies sei der Krise im Euro-Raum und in der Abschwächung in den Schwellenländern geschuldet.
Insgesamt gelte für die Weltwirtschaft, dass sie die "große Rezession und ihre Folgen noch immer belasten", sagte Carstensen. Selbst die bisherigen Hoffnungsträger, die Schwellenländer, allen voran die Wachstumslokomotive China, litten unter einer Abschwächung. Gleichwohl gibt es dort weiterhin Wachstum. Damit bleiben die Schwellenländern von einer Rezession, wie sie Teilen Europas bevorsteht, weit entfernt. Eine Rezession, die auch eine Folge der politischen Entscheidungen ist.
Dennoch war die Einschätzung unstrittig, dass ohne die nötigen "Anpassungen", das heißt eine harte Sparpolitik sowie Strukturreformen, die Staatsschuldenkrise, die sich zuerst in Griechenland kristallisiert hatte, nicht bewältigt werden könne. Das Modell einer ausschließlichen Krisenbewältigung über die Zentralbank, wie dies etwa eine Reihe von Volkswirten im anglo-amerikanischen Raum fordert, wurde einhellig abgelehnt. "Wir können nicht ewig Geld drucken", warnte Carstensen. Wenn man das zu Ende denke, würde zwar die Schuldenkrise überwunden, aber "wir hätten Inflation".
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Europa ein Problemfall der Weltwirtschaft
Folgen der großen Rezession noch immer weltweit spürbar - Erholung in den USA in greifbarer Nähe
Ein Horn, in das auch Martin W. Hüfner, der langjährige Chefvolkswirt der Hypovereinsbank und heutige Chefvolkswirt der Assenagon, blies. "Wir haben zu viel Geld." Für ihn ist die seit den 1990er Jahren, allen voran durch den damaligen amerikanischen Zentralbankpräsidenten Alan Greenspan, aufgeblähte Geldmenge Ursache der "Turbulenzen an den Finanzmärkten" und damit der Finanzkrise. Als ein Symptom dafür führte Hüfner an, dass die Bilanzsummen der Banken deutlich schneller gestiegen seien als das Bruttosozialprodukt. Bislang habe das lockere Geld eine Vermögensgüterinflation ausgelöst: Gestiegene Immobilienpreise, gestiegener Goldpreis, die Aktienhausse - all dies führte er als Belege an. Hüfner warnte, da es derzeit auch noch hohe Staatsschulden gebe, könne daraus schnell eine Verbrauchsgüterinflation werden.
Widerspruch gegen die vorherrschende Linie in der Volkswirtschaft kam von Stephan Schulmeister aus Wien. Für den Ökonomen vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung ist die Staatsschuldenkrise in Europa Ausdruck einer systemischen Krise. Seine Antwort ist ein Europäischer Währungsfonds, der sich über Eurobonds finanziert und diese Mittel an die EU-Mitglieder weiterreicht, allerdings versehen mit Bedingungen. Nur so könne es gelingen, den Zinssatz unter das Niveau des langfristigen Produktivitätswachstums zu senken. Dies aber ist für Schulmeister Voraussetzung dafür, dass in die Realwirtschaft investiert und nicht wie bisher auf den Finanzkapitalismus gesetzt wird.
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Europa ein Problemfall der Weltwirtschaft
Folgen der großen Rezession noch immer weltweit spürbar - Erholung in den USA in greifbarer Nähe
Die militärischen Muskelspiele Irans im Arabischen Golf und an der Straße von Hormus sieht Michael Bauer, Leiter des Nahostprojekts am Centrum für angewandte Politikforschung in München, weniger an den Westen gerichtet, als an die arabischen Nachbarn. Es solle den "Golfstaaten zeigen, wer die Macht ist".
Risikofaktor Saudi-Arabien
Als ein "extremer Risikofaktor" gilt Saudi-Arabien, sagte Josef Auer, Senior Economist bei Deutsche-Bank-Research in Frankfurt am Main. Eine Revolution nach dem Vorbild des arabischen Frühlings würde ein Drittel der Ölförderung wegfallen lassen. Mit entsprechenden Folgen für den Ölpreis. Die absolutistische Monarchie gilt den Experten keineswegs als jener Stabilitätsanker, als den ihn Politiker der schwarz-gelben Koalition das Regime beschreiben. Hohe Jugendarbeitslosigkeit, starkes Bevölkerungswachstum sowie ein volatiler Ölpreis belasten das Land.
Zudem verwies Rohstoffexperte Auer darauf, dass ein Anspringen der Konjunktur in den Vereinigten Staaten nicht ohne Wirkung auf den Ölpreis bliebe. Ein Anstieg des Preises wegen wachsender US-Nachfrage habe negative Rückwirkungen auf die weltweite Konjunktur.
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