Reich-Ranicki spricht im Bundestag - Bayerischer Gedenkakt in Weiden
Berlin/Weiden. (dpa/mte) Eindringlich und erschütternd hat der Literaturkritiker und Holocaust-Überlebende Marcel Reich-Ranicki im Bundestag von der Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto berichtet. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages fand die zentrale Veranstaltung Bayerns in Weiden statt. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) erinnerte am Elly-Heuss-Gymnasium an die Schrecken der Nazizeit.
Bundespräsident Christian Wulff (rechts) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, geleiten im Bundestag Marcel Reich-Ranicki nach dessen Rede zu seinem Platz im Plenum. Bild: dpa
Zum 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erzählte der 91-jährige Reich-Ranicki am Freitag von den Ereignissen 1942 im Warschauer Ghetto. Als Übersetzer erfuhr er, dass die SS die sofortige "Umsiedlung" der Warschauer Juden "nach Osten" befahl. Unter anderem Ehefrauen und Kinder der beim Judenrat Beschäftigten würden ausgenommen. Sofort habe er seine Freundin Teofila gerufen. Sie heirateten am gleichen Tag.
Reich-Ranicki wirkte gesundheitlich angeschlagen. Bundespräsident Christian Wulff und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, stützten den 91-Jährigen auf dem Weg zum und vom Rednerpult. An dem Gedenken nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) teil. Nach der Rede herrschte im Bundestag minutenlange Stille, unterbrochen durch verhaltenen Beifall. In mehreren Bundesländern sowie bei den UN in New York wurde ebenfalls der Millionen Holocaust-Opfer des Nazi-Regimes gedacht. Beim Gedenkakt in Weiden forderte der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, ein NPD-Verbot. "Es ist für mich ein Skandal, wenn diese Leute steuerfinanziert durch unsere Straßen skandieren", sagte er.
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28.01.2012
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Berlin/Weiden
Ergreifende Erinnerung an Verbrechen der Nazis
Reich-Ranicki spricht im Bundestag - Bayerischer Gedenkakt in Weiden
Am selben Tag nahm der Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin seine Arbeit auf. Er soll mögliche Pannen der Sicherheitsbehörden bei den jüngsten Neonazi-Morden aufklären. Am Vortag hatte auch der Thüringer Landtag einen Untersuchungsausschuss beschlossen. Geklärt werden soll, warum die Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang rauben und morden konnte, ohne von Sicherheitsbehörden entdeckt zu werden.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte zuvor bei der Gedenkfeier im Parlament Bürger gewürdigt, die sich gegen Rechtsextremismus und Neonazi-Umtriebe engagieren. "Es sind Menschen, die ein Beispiel geben und Mut machen", sagte er. Er wies auch darauf hin, dass nach aktuellen Untersuchungen 20 Prozent der Bundesbürger latent antisemitisch eingestellt seien. "Das sind in Deutschland genau 20 Prozent zu viel." (Seite 5 und 8)
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