Die Nachricht, dass zwei Allgemeinärzte in Brand und Krummennaab ihre Praxen aufgegeben haben, verwundert einen Leser nicht. Dr. Thomas Bäumler, der als Frauenarzt in Neustadt/WN praktiziert, schreibt:
Für den Eingeweihten kommt die Aufgabe der zwei allgemeinärztlichen Kollegen weder überraschend noch ist sie verwunderlich, ja es ist sogar damit zu rechnen, dass ähnliche Schritte allgemein- und fachärztlicher Kollegen demnächst noch folgen werden.
Die Gründe sind den Akteuren im Gesundheitswesen (Gesundheitspolitikern, Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen) sattsam bekannt und werden von der Ärzteschaft seit Jahren gebetsmühlenartig vorgebracht, ohne dass sich substanziell etwas verändert hätte. Und damit meine ich gar nicht die desaströse Vergütungsproblematik und -systematik, über die ohnehin niemand mehr spricht.
Der zunehmende bürokratische Aufwand in den Praxen (Codierungen, überbordende Dokumentationspflichten, elektronische Gesundheitskarte, inflationäre Kassenanfragen, Inkassopflicht der Praxisgebühr) nimmt mittlerweile einen Großteil der Zeit, die eigentlich für die Versorgung der Patienten gedacht wäre, in Anspruch.
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02.02.2012
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Briefe an die Redaktion
Ärztliche Kernkompetenzen (zum Beispiel Ultraschall, Radiologie, Endoskopien, ...) müssen in immer wieder neuen Überprüfungen und Anforderungen - teilweise in zweijährigen Abständen - zeitaufwendig stets aufs Neue nachgewiesen werden. Ständig neue sinnfreie Gesetzesänderungen, wie aktuell das Gendiagnostikgesetz, verlangen den Nachweis (selbstverständlich mittels Prüfung nach vorheriger Schulung) darüber, dass man das, was man seit Jahren ohne Beanstandung erbracht hat, tatsächlich auch kann.
Und über allem schwebt das allgegenwärtige Risiko, von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung wegen Unwirtschaftlichkeit und Implausibilität in Regress genommen zu werden: das heißt, für die den Patienten verordneten Rezepte und physikalischen Therapien selbst aufkommen zu müssen und Honorar zurückzahlen zu müssen - ganz zu schweigen vom zunehmenden Trend, sich wegen des Vorwurfs eines Behandlungsfehlers juristisch rechtfertigen zu müssen.
Dabei werden ständige Präsenz, ein stets offenes Ohr für die Patienten, Wartezeiten unter 30 Minuten, permanent gute Laune, grenzenloses Engagement und von den allgemeinmedizinischen Kollegen ein Rund-um-die-Uhr-Fahrservice auch in die entlegensten Ecken erwartet.
Ein Wunder, dass nicht schon mehr Kollegen den Bettel hingeworfen haben.
Dr. Thomas BäumlerNeustadt/WN
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Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
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