Paris
Urteil gegen Scientology wegen bandenmäßigen Betrugs
Frankreich greift gegen Organisation hart durch - Jurist: Schritt auf dem Weg zum Verbot
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich zwei Unterorganisationen mit illegalen Mitteln bereichert hatten. Sie sollen unter anderem in den 90er Jahren eine Frau verleitet haben, in kurzer Zeit mehr als 21 000 Euro für Bücher, Medikamente und Kurse zur Lebensbewältigung auszugeben. Neben der Scientology-Organisation bestrafte das Gericht auch die Drahtzieher der Taten. Zwei Führungspersonen bekamen je eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung und müssen 30 000 Euro Geldstrafe zahlen.
"Das ist eine historische Entscheidung", kommentierte Olivier Morice, Anwalt der Anti-Sekten-Organisation Unadfi. Seiner Meinung nach ist das Urteil nur der Beginn eines Weges, der zum Verbot von Scientology führen könnte. Es ist das erste Mal, dass die Organisation in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wird. Scientology wurde 1954 von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard in den USA gegründet. Die Organisation hat ihre Zentrale in Los Angeles und bezeichnet sich selbst als Kirche.
Die Bundesregierung sieht Scientology dagegen nicht als Religionsgemeinschaft an. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes enthält die scientologische Programmatik "zahlreiche tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen und für das Ziel der Errichtung einer totalitären Staatsordnung und einer Willkürherrschaft."
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