Von Elisabeth Dobmayer |
03.02.2012
| Netzcode: 3128006 | 238 Mal gelesen.
Vohenstrauß
Wie ein stumpfes Messer im Leib
Seit einem Jahr treffen sich Fibromyalgie-Patienten in einer Selbsthilfegruppe in Vohenstrauß
Vohenstrauß. Bei Karolina Rauch aus Waidhaus begann es schleichend: Erst taten die Arme weh, dann wurden die Beine ganz schwer, und irgendwann durchbohrte ein ungeahnter Schmerz ihren ganzen Körper. Mal da und mal dort, Schmerzen ohne Ende. Für sie, wie für alle anderen Betroffenen, begann ab diesem Zeitpunkt eine Odyssee durch unzählige Arztpraxen.
"Kein Arzt wusste, was mir fehlt. Es vergingen Jahre mit einem Leben das nur eines kannte, bohrende Schmerzen", sagt Rauch. Sie versucht mit allen Mitteln gegen die Symptome anzukämpfen. "Das war eine ganz schreckliche Zeit." Bis schließlich ein Mediziner die für sie bis dahin unbekannte Krankheit "Fibromyalgie" diagnostizierte.
Die richtigen Medikamente bringen etwas Erleichterung. Doch die Waidhauserin muss weiterhin mit der Krankheit leben. Genauso ergeht es der 59-jährigen Theresia Schmucker aus Straßenhäuser. "Ich habe lange nicht gewusst, was mir fehlt."
Seit sieben Jahren ist ihr jetzt definitiv klar, dass sie an Fibromyalgie leidet. Ihr machen vor allem die Erschöpfungszustände und die bleierne Müdigkeit zu schaffen. "Man schafft nicht mehr viel im gewohnten Tagesablauf". Die Erwartungshaltung an sich selbst müsse komplett zurückgeschraubt werden. "Ein harter Lernprozess wird in Gang gesetzt."
Sandra Schwarzhuber aus Neustadt/WN ist erst 31 Jahre alt und seit sechs Jahren Schmerzpatientin. "Wie ein stumpfes Messer, das sich in den Leib bohrt", beschreiben die Betroffenen das Leiden.
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Vohenstrauß
Wie ein stumpfes Messer im Leib
Seit einem Jahr treffen sich Fibromyalgie-Patienten in einer Selbsthilfegruppe in Vohenstrauß
Anna Federlein aus Waidhaus (58) hat die Krankheit nicht ganz so ausgeprägt wie ihre Bekannten, die sie alle durch die vor genau einem Jahr gegründete Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe bei der Arbeiterwohlfahrt in der Sozialstation Vohenstrauß kennengelernt hat. "Vor fünf Jahren stellte der Doktor in meinem Blut ein entzündliches Rheuma fest." Die Folge war eine Cortisonbehandlung, die schnell Besserung brachte. Derzeit nimmt sie keine Medikamente und kommt zurecht.
Gute und schlechte Tage
Die Krankheit kann aber jederzeit zurückkehren. So quält sich auch die 67-jährige Christine Liebl aus Waldau durch Tage, Monate und Jahre. Sie war früher als "Mädchen für alles" im Hallenbad eingesetzt und brachte die Schmerzen immer mit der feuchten Luft in Verbindung. Seit 20 Jahren hält sie die Muskelschmerzen, die den Tagesablauf bestimmen, schon aus. "Es gibt gute und es gibt schlechte Tage." Liebl ist es jedoch leid, als Hypochonder angesehen zu werden. Von ihren Mitmenschen im Bekanntenkreis werden solche Fibro-Patienten oft als psychisch krank oder Drückeberger abgestempelt, ist sich AWO-Sozialleiterin Karin Gesierich bewusst, die ebenfalls von der Krankheit, genau wie ihre Kollegin Renate Balk, betroffen ist: "Das ist, als hättest du einen Chip im Körper, der wandert und immer an einer anderen Stelle schmerzt."
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Vohenstrauß
Wie ein stumpfes Messer im Leib
Seit einem Jahr treffen sich Fibromyalgie-Patienten in einer Selbsthilfegruppe in Vohenstrauß
Das seien die typischen Druckschmerzen der "Tender Points", informiert sie. Viele Patienten, wie Karin Gesierich, überspielen ihre tägliche Verfassung. "Wenn ich zu meinen Patienten komme, wollen die doch mir von ihrem Leid erzählen. Meine Krankheit tritt da total in den Hintergrund."
Sie selbst brauche aber gerade ihren Beruf, denn ohne soziale Kontakte würden Fibromyalgie-Patienten wirklich schnell depressiv. Sieben Jahre und viele Arztbesuche dauert es durchschnittlich, bis die Diagnose gestellt wird.
Der Erleichterung, dass das Kind nun einen Namen hat, folgt schnell die Ernüchterung. Fragen über Fragen türmen sich auf. Deswegen ist für die meisten die Selbsthilfegruppe ein Segen. Denn wenn es schon kein Leben ohne Fibromyalgie gibt, dann wenigstens eines mit ihr, so das Credo der Teilnehmer. Die Gruppe und der Austausch seien unverzichtbar für das seelische Wohlbefinden.
Nichtbetroffene könnten in der Regel die Komplexität der Erkrankung nur schwer erfassen. Gemeinsame Unternehmungen, wie ein Badeausflug ins Sibyllenbad, ein Schmerzbewältigungsseminar oder der Besuch von Fachvorträgen sorgen für ein Gemeinschaftserlebnis, das den Betroffenen den Rücken stärkt und ihnen vor allem eins zeigt: "Ich bin nicht allein."
Die Selbsthilfegruppe vertraut einer Physiotherapeutin. Jederzeit können Betroffene zu den Treffen am ersten Montag im Monat in der AWO-Sozialstation im Braunetsriether Weg 34 in Vohenstrauß kommen. Bisher finden sich regelmäßig bis zu 20 Fibromyalgie-Patienten ein. Doch es dürfen ruhig noch mehr werden.
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