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04.02.2012
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Mitterteich
Franz Zeitler ist der Joker
Der Mitterteicher Geschäftsmann verbringt seine Freizeit als Lokführer zwischen Hof-Regensburg und Marktredwitz-Cheb
Mitterteich. (tr) Als Niemandsland bezeichnen die Lokführer der Vogtlandbahn die Eisenbahn-Strecke zwischen Wiesau und Reuth bei Erbendorf. "Natur pur! Hier queren oft Wildschweine und andere Tiere die Gleise, da muss man höllisch aufpassen", erklärt Franz Zeitler.
Der Chef des gleichnamigen Mitterteicher Kaufhauses ist Freizeit-Lokführer bei der Vogtlandbahn und fährt heute zum zwölften Mal zwischen Hof an der Saale und Regensburg. Den Führerschein für Triebfahrzeuge hat er nach den Richtlinien des Eisenbahnbundesamtes am 30. September 2011 mit der Note "gut bis sehr gut" bestanden.
Für die Vogtlandbahn ist Franz Zeitler der "Joker", weil er der einzige Springer unter den 170 Lokführern ist. Seine Lizenz berechtigt ihn derzeit zum Führen von Verbrennungstriebwagen (VT) der Baureihe 642 Desiro. Um 14.19 Uhr beginnt sein Dienst an diesem Sonntag am Bahnhof in Weiden. Zehn Stunden und 38 Minuten dauert die Schicht 8067 an diesem Tag. Der Dienstplan ist straff und beinhaltet insgesamt eine knappe Stunde Pausen. Die nutzt Franz Zeitler zum Ausruhen und für kleine Brotzeiten. Das kann ein Kaffee und ein Snack aus dem Bahnhofskiosk sein oder eine mitgebrachte Stulle aus seinem Pilotenkoffer. Der ist Standard bei der Vogtlandbahn und enthält Ordner voller Vorschriften, den Lokführerschein, Checklisten und weitere wichtige Dokumente.
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Mitterteich
Franz Zeitler ist der Joker
Der Mitterteicher Geschäftsmann verbringt seine Freizeit als Lokführer zwischen Hof-Regensburg und Marktredwitz-Cheb
Ein beigefarbenes Hemd, Krawatte und eine Weste mit Aufdruck "Vogtlandbahn" oberhalb der Brusttasche identifizieren den Lokführer außerdem. In Weiden geht Franz Zeitler erst einmal ins Bahnhofsbetriebsgebäude. Dort befindet sich die Meldestelle. Per Diensthandy meldet er sich bei der sogenannten Lokleitung in Neumark in Sachsen an. Von dort wird der komplette Eisenbahnbetrieb ständig überwacht.
Umfangreiche Checkliste
Laut Dienstplan muss er den VT 10 vom Gleis 83 zum Gleis 2 rangieren und an den VT aus Hof aufkuppeln. Franz Zeitler fährt dann als Gast bis Schwandorf mit, übernimmt den VT 19, fährt damit wieder nach Hof, zurück nach Schwandorf und schließlich nach Weiden.
Bevor die Rangierfahrt beginnt, ist der VT gründlich nach Checkliste zu überprüfen. Zuerst außen. Sind alle Füllstände okay? Ist genug Wasser für das WC vorhanden, sind die Sandbehälter voll? Sand braucht der VT im Falle einer Notbremsung, damit er bei seiner Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern innerhalb von 200 Metern zum Stehen kommt. Die vielen Anzeigeinstrumente verraten es sofort: Der VT ist ein hochtechnisiertes Fahrzeug mit jeder Menge elektronischer Unterstützung. Der Sicherheitscheck im Zug dauert mit rund 20 Minuten länger als im Außenbereich.
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Ohne Hektik
Das Rangieren vom Abstellplatz zum richtigen Gleis und aufkoppeln an den ankommenden Triebwagen dauert eine halbe Stunde. Jetzt ist Franz Zeitler bis Schwandorf Fahrgast. Dort bleiben ihm zum Umsteigen auf Gleis vier genau drei Minuten. Er übernimmt den VT 19 und beginnt seine Fahrt Richtung Hof. Viele kleine und größere Bahnhöfe steuert er an, lässt Fahrgäste aus- und zusteigen. Alles ohne jegliche Hektik und super pünktlich. Wie ein Uhrwerk funktioniert die Symbiose aus Technik und Lokführer. Draußen gießt es in Strömen, der Wind heult auf. Schmuddelwetter. Die Landschaft entlang des Naabtales fliegt schemenhaft vorbei. Zwei Silberreiher auf einem abgestorbenen Baum, mitten in einer überfluteten Wiese bei Pfreimd. Nur wenige Bilder sind jetzt bei zunehmender Dunkelheit noch fassbar für das Auge. Das Licht des Triebwagens lässt die Schienen vor dem Zug silbrig aufleuchten. Begegnen sich zwei Züge, grüßen sich die Lokführer per Lichthupe.
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Mitterteich
Franz Zeitler ist der Joker
Der Mitterteicher Geschäftsmann verbringt seine Freizeit als Lokführer zwischen Hof-Regensburg und Marktredwitz-Cheb
Die Nacht hat endgültig das letzte Tageslicht erstickt. Eine eigenartige Stimmung im Führerhaus. Nur das monotone Klackern der eisernen Räder auf den Schienen ist zu hören. Fast mit Höchstgeschwindigkeit gleitet der VT durch die Nacht weiter Richtung Hof. Neben der Geschwindigkeit von knapp 110 Stundenkilometern zeigt der Tacho noch eine interessante Zahl. Weit über 1,5 Millionen Kilometer hat der VT 19 seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2000 schon auf dem Buckel. Trotzdem sieht er aus wie aus dem Ei gepellt.
Lokführer gesucht
Von Hof geht es zurück nach Schwandorf und dann wieder Richtung Norden nach Weiden. Alle zwei bis drei Wochen fährt Franz Zeitler eine Schicht. Mindestens 100 Stunden muss er im Jahr nachweisen, damit sein Eisenbahnfahrzeugführerschein nicht verfällt. Früher war Lokführer ein gefragter Beruf. Heute suchen die Eisenbahngesellschaften nach Bewerbern.
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