Von (dpa) |
04.02.2012
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Warschau
Arme schlafen Kältetod entgegen
Sibirische Temperaturen haben auch Warschau im eisigen Griff
Warschau. (dpa) Das Warnschild am blauen Metallzaun in der Warschauer Innenstadt verspricht Wärme: "Uwaga - wysoka temperatura" ("Achtung - heiß"). Mehrere frierende Menschen warten schon um den gefüllten Koksofen in der Mitte - aber das wärmende Feuer wird erst am Abend entzündet, wenn die frostigen Temperaturen noch weiter sinken.
Die Studenten Agnieszka und Pawel wollen nur noch schnell nach Hause. In der Stadt herumbummeln, das kommt bei minus 20 Grad nicht infrage. "Viel zu kalt", sagt die 20-jährige Agnieszka. "Ich will nur noch Einkäufe fürs Wochenende erledigen, damit ich dann nicht raus muss."
Ukrainische Straßenhändlerinnen bieten Schals und Mütze an, immer wachsam, falls ein Kontrolleur der Gewerbeaufsicht auftauchen sollte. Die Geschäfte mit der warmen Kleidung laufen gut, denn derzeit helfen selbst zwei Mützen oder ein doppeltes Paar Handschuhe nur vorübergehend, bis sich die Kälte durch die Kleiderschichten gearbeitet hat.
Junge Warschauerinnen, normalerweise sehr auf ihr Aussehen bedacht und auch im Winter in kurzen Röcken und hochhackigen Absätzen unterwegs, haben vor der Kälte kapituliert. Unförmige, aber warme Mäntel, Stiefel mit dicker Sohle und tief ins Gesicht gezogene Wollmützen machen die Kälte etwas erträglicher.
Es sind vor allem die Armen und Kranken, die unter der seit einer Woche andauernden sibirische Kälte leiden. Verarmte Rentner etwa, die selbst an der Heizung sparen müssen. Oder die Obdachlosen, die die Notunterkünfte mit Alkoholverbot und festen Regeln scheuen und glauben, sie könnten auf eigene Faust draußen überleben. Innerhalb einer Woche sind in Polen schon mehr als drei Dutzend Menschen erfroren.
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Warschau
Arme schlafen Kältetod entgegen
Sibirische Temperaturen haben auch Warschau im eisigen Griff
Polizisten sind verstärkt in Kleingartenanlagen unterwegs, auf verlassenen Grundstücken, überall dort, wo Obdachlose oder einsame Trinker dem Kältetod entgegenschlafen könnten. Thermoskannen mit heißem Tee gehören mittlerweile für die meisten zur Patrouillenausrüstung.
Auch vor den Tunneln des Warschauer Stadtbahnhofes stehen zwei Beamte. Die unterirdischen Gänge, auch als "Hades" bekannt, dienen Obdachlosen als Unterschlupf. "Wir können nicht überall sein", sagt einer der Beamten. "Aber wenn die Kontrollgänge ein Menschenleben retten, dann hat es sich schon gelohnt."
Ein greises Ehepaar aus Südostpolen ist in der Nacht zum Freitag Opfer der Kälte geworden. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hatte ein Nachbar bei den alten Leuten nach dem Rechten sehen wollen und die 80-jährige Frau bewusstlos im Bett gefunden. In der Wohnung bei Tarnow war es minus 20 Grad kalt, der Holzofen erloschen.
Die schwer unterkühlte Frau starb im Krankenhaus. Die Leiche des 84-jährigen Ehemannes wurde im Schuppen des Hofgrundstücks gefunden. Er wollte den Ermittlungen zufolge Feuerholz holen und erlitt dabei einen Herzanfall.
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