München
Bayern-LB: Prozess wackelt
Vorsitzender Richter hat Bedenken gegen die Klageschrift
Der Untreue-Prozess gegen den gesamten ehemaligen Vorstand der Bayerischen Landesbank droht womöglich bereits vor seiner Eröffnung zu platzen. Nach dem Studium der Akten habe der Vorsitzende Richter Joachim Eckert sich für ein unabhängiges Gutachten ausgesprochen, sagte eine Gerichtssprecherin am Freitag in München. Der Experte solle den milliardenschweren Kauf der österreichischen Hpyo Group Alpe Adria (HGAA) aus der damaligen Sicht eines Bankkaufmanns prüfen.Entsprechende Schreiben schickte Eckert demnach an die Verteidiger der Ex-Vorstände sowie an die Staatsanwaltschaft. Laut "Süddeutscher Zeitung" äußere Eckert in den Briefen erhebliche Bedenken gegen die Klageschrift. Vor allem zweifle der Jurist daran, ob die Manager der Landesbank im Rahmen der HGAA-Übernahme Pflichtverletzungen begangenen haben. Finanzkreise bestätigten der Nachrichtenagentur dpa den Inhalt der Briefe. Eckert erwarte die Stellungnahmen binnen einer Woche und wolle im Anschluss einen Gutachter beauftragen, sagte die Gerichtssprecherin. Damit wird der Prozessbeginn auf jeden Fall verzögert. Womöglich kommt es erst gar nicht mehr dazu.
Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage unter anderem gegen den damaligen Bank-Chef Werner Schmidt erhoben. Unter dessen Leitung hatte die Bayern-LB die HGAA gekauft, obwohl damals schon bekannt war, dass die Bank Probleme hatte.
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