Von Helmut Scheuck |
09.02.2012
| Netzcode: 3133436 | 682 Mal gelesen.
Amberg
Perle im romantischen Ostböhmen
Ambergs tschechische Partnerstadt Ústí nad Orlící hat viel für Touristen aller Art zu bieten
Amberg. Wenn von Ambergs Partnerstädten die Rede ist, dann denkt man meist an Bad Bergzabern, an Périgueux in Frankreich oder an die jüngste Partnerstadt, an Desenzano am Lago di Garda. Gewissermaßen ein Dornröschendasein führen aber Ambergs Partnerstädte im Osten. Seit einem guten Jahrzehnt, genauer seit 2001, ist Amberg mit Ústí nad Orlící (Wildenschwert) in Ostböhmen verbunden.
Der Blick auf den Marktplatz von Ústí nad Orlící verweist durch die schönen Bürgerhäuser auf den ehemaligen Reichtum der Stadt. Bild: Lukas Prokes
Wohl generell, was den Osten anbelangt, entwickeln sich die Kontakte dahin etwas zögerlich. Lange hat der Eiserne Vorhang eine schier unüberwindbare Barriere gezogen, auch was zwischenmenschliche Kontakte anbelangte. Höchste Zeit daher, die Partnerstädte im Osten einmal vorzustellen. Da in der Oberpfalz besonders die Beziehungen zum unmittelbaren Nachbarn ausgebaut werden und sogar das Erlernen der tschechischen Sprache gefördert wird, beginnen wir mit Tschechien.
Bewegte Geschichte
Bis 1945 war Ústí nad Orlící - in Ostböhmen im Bezirk Pardubice gelegen - deutsch und hieß Wildenschwert. Seit 1989 die samtene Revolution das Staatengebilde Tschechoslowakei aufspaltete, gehört Ambergs Partnerstadt zu Tschechien. Unter der Regierung von König Ottokar II. aus dem Haus der Premysliden (1253 bis 1278) wurde aus der slawischen Siedlung Oustí das heutige Ústí nad Orlící. Wilhelm von Dürnholz "gründete" die Ansiedlung im Jahre 1241 und nannte diese Wilhelmswert (ab Ende des 18. Jahrhunderts Wildenschwert).
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Amberg
Perle im romantischen Ostböhmen
Ambergs tschechische Partnerstadt Ústí nad Orlící hat viel für Touristen aller Art zu bieten
Auch der Dichter Adalbert Stifter, in Oberplan in Böhmen geboren, behandelt in seinen Mammutwerk "Witiko" das bedeutende Adelsgeschlecht der Witigonen, das in Südböhmen, aber auch in Ostböhmen um Vzci, also um das heutige Ústí nad Orlící, große Besitztümer hatte. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1285, da ist zu lesen: "In territorio Vzci, quod in teutonico Wilhelmsuerd uocatur" (Im Gebiet Vzci, das zu Deutsch Wilhelmswert heißt). Seit 1292 gehörte die Ortschaft dem Zisterzienserkloster Königsaal, ab 1358 dann zum Bistum Leitomischl. Danach waren die Adelsfamilien Kostka von Postupice, von Pernstein und ab 1622 die von Liechtenstein-Kastelkorn die Herren.
Die Verwaltung wurde im 16. Jahrhundert der Burg Lansperk übertragen. Seit Ende des 15. Jahrhunderts bestand in Wilhelmswert eine Gemeinde der Böhmischen Brüder (Taboriten des militanten Zweigs der Hussiten), die im Zuge der Gegenreformation 1626 vertrieben wurden. Zwei Jahre nach der Schlacht am Weißen Berg 1620, als die katholische Liga über die protestantische Union und deren Führer Friedrich V., den Winterkönig, siegte, bekam auch Ousti katholische Herren.
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Amberg
Perle im romantischen Ostböhmen
Ambergs tschechische Partnerstadt Ústí nad Orlící hat viel für Touristen aller Art zu bieten
Katholiken übernehmen
Ab 1622 befahl Kaiser Ferdinand I. den Besitz neu zu ordnen, protestantische Adelige verloren ihren Besitz und katholische Adelige traten an deren Stelle. So auch in Wilhelmswert. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Stadt ab 1845, die sowohl den deutschen Namen Wilhelmswert (Ende des 18. Jahrhunderts dann Wildenschwert) als auch die tschechische Bezeichnung Oustí oder Austi trug. Denn damals wurde der Ort, der bis 1918, wie das ganze Königreich Böhmen zum Habsburger Reich gehörte, an das Schienennetz Olmütz - Prag angeschlossen. Expandierenden Textilfabriken brachten der Stadt sogar den Beinamen "ostböhmisches Manchester" ein und machten sie zu einem der Zentren der Textilindustrie. 1850 wurde Wildenschwert zur Stadt erhoben.
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